Mittwoch, 28. Januar 2026

Die AfD Sachsen-Anhalt und ihr Programmentwurf "Demokratische" Regierung

Analyse: Warum die Demokratie im AfD-Programm Sachsen-Anhalt zu kurz kommt

Was die AfD Sachsen-Anhalt in ihrem Programmentwurf als „Realpolitik“ verkauft, ist bei näherer Betrachtung weniger ein Regierungsplan als ein Machtentwurf. Demokratie erscheint darin nicht als offenes Verfahren mit konkurrierenden Interessen, sondern als Instrument, das nur solange akzeptiert wird, wie es der eigenen politischen Linie dient. Genau hier liegt das demokratische Defizit. Ob diese ganze Rechtslastigkeit bis zum Verabschieden einer endgültigen Fassung noch verändert wird zeigen die nächsten Monate.

1. Demokratie wird rhetorisch delegitimiert

Ein zentrales Motiv des Programms ist die Erzählung von einer angeblichen „Diktatur der Altparteien“. Damit wird das parlamentarische System nicht kritisiert, sondern grundsätzlich infrage gestellt. Wer demokratisch gewählte Regierungen als Diktatur bezeichnet, entwertet Wahlen, Parlamente und Mehrheiten – also die Grundmechanismen der Demokratie selbst. Diese Rhetorik ersetzt sachliche Opposition durch ein umgekehrtes Feindbild. Demokratie wird nicht als Streit um Lösungen verstanden, sondern als illegitimes Herrschaftssystem, das überwunden werden müsse, obwohl genau das von der AfD angestrebt wird.

2. Politische Bildung wird als Bedrohung behandelt

Besonders aufschlussreich ist der geplante Umgang mit der Landeszentrale für politische Bildung. Sie soll abgeschafft werden, weil sie angeblich „linke Indoktrination“ betreibe. Genau diese Einrichtung soll aber das Denken anregen, helfen Verletzungen der Demokratie zu erkennen. Ist sie vielleicht deshalb der AfD so suspekt? 

Demokratie lebt jedoch davon, dass Bürgerinnen und Bürger informiert, urteilsfähig und widerspruchsfähig sind und bleiben. Politische Bildung ist kein Parteiprojekt, sondern eine staatliche Schutzfunktion für die Demokratie selbst. Wer sie zerstören will, schwächt bewusst die Fähigkeit der Gesellschaft zur kritischen Selbstreflexion – ein klassisches Merkmal autoritärer Politik.

3. Staatliche Neutralität wird aufgegeben

Ein besonders gravierender Punkt ist die geplante Bindung öffentlicher Fördermittel an eine „patriotische Grundhaltung“. Damit verlässt die AfD das Prinzip staatlicher Neutralität, sie wird in der Rechtskurve hinausgetragen. Bedingung ist ein nationaler Konservatismus, um Fördergeld zu bekommen.

In einer Demokratie fördert der Staat Projekte nach transparenten, rechtsstaatlichen Kriterien – nicht nach ideologischer Loyalität. Wenn Vereine, Initiativen oder Kulturträger nur noch dann unterstützt werden, wenn sie sich politisch für Patriotismus bekennen, entsteht ein Gesinnungsstaat. Pluralismus wird nicht mehr geschützt, sondern aufgelöst.

4. Zivilgesellschaft wird zum Gegner erklärt

Kirchen, Vereine, Bildungsinstitutionen – sie alle werden im Programmentwurf nicht als Teil der demokratischen Öffentlichkeit gesehen, sondern als feindliche Akteure eines angeblichen „Zerstörungswerks“. Auch das ist typisch für extremistische Gesinnungen, die freie Religionsausübung, Interessenspflege und Bildung gar nicht zulassen wollen. 

Dabei sind gerade diese intermediären Institutionen das Rückgrat einer liberalen Demokratie. Sie vermitteln zwischen Staat und Bürgern, organisieren Kritik, Solidarität und Engagement. Wer sie systematisch diskreditiert oder finanziell austrocknen will, zielt auf eine Entmachtung gesellschaftlicher Gegenkräfte.

5. Härte ersetzt Rechtsstaatlichkeit

Die Forderung nach „Task Force Abschiebungen“ steht exemplarisch für den politischen Stil des Programms: maximale Härte, minimale rechtliche Differenzierung. Wir denken hier sofort an SS-Verbände oder aktueller die Trumpsche ICE, die mit brutaler, teils völlig blinder Vehemenz Menschen vertreiben soll, die nicht erwünscht sind. 

Dabei ignoriert die AfD bewusst, dass zentrale migrationspolitische Kompetenzen beim Bund liegen und dass Abschiebungen rechtsstaatlichen Verfahren unterworfen sind. Demokratie wird hier nicht als Rechtsordnung verstanden, sondern als Hindernis, das man rhetorisch überwinden möchte. Der Rechtsstaat erscheint nicht als Schutz für alle, sondern als lästige Bremse.

6. Mehrheit statt Grundrechte

Demokratie wird im Programm implizit auf Mehrheitsmacht reduziert. Grundrechte, Minderheitenschutz und institutionelle Grenzen staatlicher Macht spielen kaum eine Rolle. Gut, es ist ja "drüben", sie sind halt so geschult. 

Doch Demokratie ist mehr als das Diktat der Mehrheit. Sie ist ein System, das gerade dann schützt, wenn man nicht zur Mehrheit gehört. Mehrheit hat nicht immer Recht oder nimmt den richtigen Standpunkt ein. Auch kollektives Irren ist möglich. Wo dieser Gedanke fehlt, entsteht keine Demokratie, sondern eine nicht liberale Mehrheitsautorität. Eine manipulierte Masse kann und soll dann sagen, wohin die Fahrt geht.

Fazit

Die Demokratie kommt im Programmentwurf der AfD Sachsen-Anhalt zu kurz, weil sie nicht als eigenständiger Wert, sondern als taktisches Mittel behandelt wird. Institutionen, die Kritik ermöglichen, sollen abgeschafft werden. Zivilgesellschaft soll kontrolliert, nicht gefördert werden. Staatliche Macht soll ideologisch gebunden, nicht neutral ausgeübt werden.

Es ist ein politisches Denken, das Demokratie nicht schützt, sondern systematisch aushöhlt – leise, programmatisch und unter dem Etikett vermeintlicher „Realpolitik“. Am Ende soll ein autoritäres System stehen.

Samstag, 24. Januar 2026

Kältewelle: Obdachlose und fast kein Ende!

Obdachlose im Winter
Ai, gemeinfrei


Bundespräsident Frank‑Walter Steinmeier warnte bereits bei zurückliegenden Kältewellen eindringlich vor der lebensgefährlichen Lage Zehntausender obdachloser Menschen in Deutschland. Er sagte, die Situation sei „unerträglich“, und die Politik dürfe sich daran „nicht gewöhnen“ – sie müsse handeln. Laut mehreren übereinstimmenden Berichten aus dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) äußerte der Bundespräsident Folgendes: 
  • Die Kältewelle zeige „besonders dramatisch, was jeden Tag unerträglich ist: dass Zehntausende Menschen in Deutschland auf der Straße leben müssen“. 
  • „Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, und das zu ändern, ist Aufgabe der Politik.“ 
  • Er zeigte sich „besorgt über die Lebensverhältnisse von Obdachlosen“ und dankte allen, die in den eisigen Nächten helfen, wie z.B. Notunterkünfte, Suppenküchen und Kältebusse.  
Sozialverbände berichteten zeitgleich von ersten Kältetoten, was Steinmeier als zusätzlichen Handlungsdruck hervorhob. Die Berichte sprechen von Zehntausenden Obdachlosen: eine häufig genannte Zahl ist rund 47.300 Menschen in Deutschland (2024), die tatsächlich auf der Straße leben (ohne Unterkunft). Die aktuellsten verfügbaren Zahlen zeigen zwei Größenordnungen: Rund 900.000 Menschen leben in Europa obdachlos, während breitere Schätzungen von mindestens 1,3 Millionen Menschen ohne Wohnung ausgehen. Der Unterschied entsteht, weil einige Berichte nur Obdachlose zählen (Menschen, die tatsächlich auf der Straße leben, keine Notunterkünfte besuchen, aber im Foyer des Bahnhofs übernachten, wenn man sie lässt - was mittlerweile eine Seltenheit ist), während andere alle Wohnungslosen einschließen (z. B. Notunterkünfte). Die Zahlen sind leider nicht genau.

Gesamtzahl der Obdachlosen in der EU

  1. Zahl der Obdachlosen (Menschen, die auf der Straße leben) läge bei etwa 900.000 Menschen in Europa. Diese Zahl stammt aus einem Bericht von FEANTSA und Fondation Abbé Pierre (2023).
  2. Zahl der Wohnungslosen (inkl. Notunterkünfte, Übergangswohnheime) wäre höher: etwa 1.300.000 Menschen in Europa haben keine eigene Wohnung. Diese Zahl umfasst alle Formen von Wohnungslosigkeit.


Warum gibt es zwei verschiedene Zahlen?

Die EU selbst führt keine einheitliche Statistik – die Daten stammen von Verbänden und internationalen Organisationen. Wir können davon ausgehen, dass rund 900.000 Menschen in Europa tatsächlich auf der Straße schlafen, aber mindestens 1,3 Millionen Menschen keine eigene Wohnung haben. Beide Zahlen steigen seit Jahren – trotz des EU‑Ziels, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden. Die EU hat das Ziel „Obdachlosigkeit bis 2030 beenden“ politisch ausgerufen – aber es ist nicht rechtsverbindlich, nicht mit Sanktionen hinterlegt und verpflichtet die Mitgliedstaaten zu nichts Konkretem. Deshalb können weiterhin Hunderttausende Menschen obdachlos sein, obwohl das Ziel existiert.


Warum trotz EU‑Ziel wahrscheinlich noch Hunderttausende Menschen obdachlos sind

Das EU‑Ziel ist politisch, nicht rechtlich bindend. Die EU hat 2021 die Europäische Plattform zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit gegründet. Dort wurde das Ziel formuliert, Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden. Aber es gibt keine EU‑Gesetze, die Staaten verpflichten, Obdachlosigkeit abzuschaffen. Es gibt keine Sanktionen, wenn Staaten das Ziel verfehlen. Die EU kann im Wohnungswesen nicht direkt eingreifen, weil Wohnpolitik nationale Kompetenz ist. Das Ziel ist also ein politisches Versprechen, kein einklagbares Recht.

Die EU kann Ziele setzen – aber die Umsetzung liegt bei den Staaten. Deutschland hat das EU‑Ziel übernommen und im Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit festgeschrieben: „Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, die Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden.“ Aber auch hier gilt:
  • Der Aktionsplan ist kein Gesetz.
  • Es gibt keine verbindlichen Maßnahmen, nur Empfehlungen.
  • Die Umsetzung hängt von Ländern und Kommunen ab.
Der Wohnungsmarkt ist angespannt, besonders im unteren Segment. Europaweit steigt Obdachlosigkeit. Die EU erkennt selbst, dass Obdachlosigkeit in vielen Ländern weiter zunimmt.
Das zeigt: Ein Ziel ohne verbindliche Gegenmaßnahmen ändert die Realität nicht automatisch.

Die EU hat ein ambitioniertes Ziel formuliert – aber ohne rechtliche Verbindlichkeit, ohne Sanktionen und ohne direkte Eingriffsmöglichkeiten in die nationale Wohnpolitik. Deshalb können weiterhin Hunderttausende Menschen wohnungslos sein, obwohl das Ziel „keine Obdachlosen bis 2030“ existiert.

Wer verfolgt das EU‑Ziel?

Die EU hat 2021 die „Europäische Plattform zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit“ (EPOCH) gegründet. Beteiligt sind: EU‑Kommission, EU‑Mitgliedstaaten, Städte und Kommunen, NGOs wie FEANTSA, Caritas Europa, Rotes Kreuz, Sozialministerien der Länder.
Die Plattform setzt politische Ziele, aber keine verbindlichen Gesetze.

Wer arbeitet in Deutschland daran?

Deutschland hat 2023 den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit (NAP) beschlossen. Beteiligt sind:
- Bundesministerium für Wohnen (BMWSB)
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
- Länder und Kommunen
- Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, AWO, DRK, Paritätischer)
- Straßenhilfen und Kältehilfen
- Wohnungswirtschaft
Der Plan ist aber nicht rechtsverbindlich – er ist ein Koordinationsinstrument. 


Wird wirklich daran gearbeitet?

Ja – aber ungleich und unzureichend.

Was tatsächlich passiert:
- Ausbau von Housing‑First‑Projekten in mehreren EU‑Ländern
- EU‑Fördermittel für sozialen Wohnungsbau
- Nationale Aktionspläne (Deutschland, Spanien, Irland, Portugal)
- Kommunale Programme (z. B. Wien, Helsinki, Kopenhagen)

Was NICHT passiert:
- EU‑weite verbindliche Vorgaben
- Sanktionen, wenn Staaten das Ziel ignorieren
- einheitliche Statistik
- Pflicht, Housing First flächendeckend einzuführen
- Garantie für sozialen Wohnraum

Das Ergebnis: Einige Länder machen viel – andere fast nichts.


Warum ist das Ziel so schwer umzusetzen?

Wohnpolitik ist nationale Kompetenz, die EU darf nicht eingreifen. Viele Länder haben Wohnungsnot, steigende Mieten, zu wenig Sozialwohnungen. Obdachlosigkeit ist kommunal organisiert, nicht zentral. Es gibt keine einheitliche Definition von Obdachlosigkeit. Die EU‑Ziele sind politische Absichtserklärungen, keine Verpflichtungen.

Fazit
Ja, es wird daran gearbeitet – aber:
- Die EU setzt Ziele, aber keine Gesetze.
- Die Mitgliedstaaten entscheiden selbst, wie ernst sie es nehmen.
- Deutschland hat einen Aktionsplan, aber keine verbindlichen Maßnahmen.
- Die Umsetzung hängt fast vollständig von Städten und Kommunen ab. Deshalb ist das Ziel „keine Obdachlosen bis 2030“ realistisch kaum erreichbar, obwohl es offiziell verfolgt wird.





Land Maßnahmen Bewertung
Finnland Flächendeckendes Housing First, massiver sozialer Wohnungsbau, Obdachlosigkeit seit Jahren rückläufig Vorbildlich
Dänemark Housing First in vielen Kommunen, gute Datenlage, langfristige Finanzierung Sehr gut
Portugal Nationale Strategie, Ausbau von Housing First, Nutzung von EU‑Mitteln für sozialen Wohnungsbau Gut
Irland Ambitionierter Housing‑First‑Plan, staatliche Finanzierung, regelmäßige Berichte Gut
Spanien Nationale Strategie, EU‑Gelder für Wohnraum, erste Housing‑First‑Programme Fortschrittlich

Land Maßnahmen Bewertung
Deutschland Nationaler Aktionsplan, aber unverbindlich; Housing First nur punktuell; keine bundesweite Statistik Mittelmäßig
Frankreich Große Hilfsprogramme, aber wenig Housing First; Obdachlosigkeit steigt weiter Mittelmäßig
Belgien Housing‑First‑Pilotprojekte, fragmentiert zwischen Regionen Mittelmäßig
Niederlande Gute kommunale Programme, aber keine umfassende nationale Strategie Mittelmäßig
Österreich Wien stark, Rest des Landes schwächer; keine einheitliche nationale Strategie Uneinheitlich

Land Maßnahmen Bewertung
Italien Keine nationale Strategie, begrenzte lokale Hilfen, schwache Datenlage Schwach
Griechenland Wenig strukturierte Programme, kaum Housing‑First‑Ansätze Schwach
Ungarn Repressive Politik gegenüber Obdachlosen, keine präventive Gesamtstrategie Sehr schwach
Bulgarien Keine nationale Strategie, sehr begrenzte Hilfsstrukturen Sehr schwach
Rumänien Keine systematische Wohnungslosenpolitik, kaum strukturierte Hilfen Sehr schwach


Sind (deutsche) Bahnhöfe noch Zufluchtsorte?

Ein Bahnhof zählt hier nur dann als „Ziel bei Kälte“, wenn mindestens zwei dieser Punkte zutreffen:

  • nachts teilweise offen oder faktisch geduldet
  • keine sofortige Vertreibung durch Security bei ruhigem Verhalten
  • Bahnhofsmission / Streetwork direkt vor Ort
  • Erfahrungswissen aus Kältehilfe / Sozialarbeit: „Da kommt man durch.“


Bahnhöfe, die noch infrage kommen

Berlin

Berlin Zoologischer Garten
  • kleiner, unübersichtlicher, weniger Event-Charakter
  • Bahnhofsmission aktiv
  • faktisch einer der letzten halbwegs „atmenden“ Bahnhöfe

Berlin Ostbahnhof

  • weniger Kontrolle nachts
  • Nähe zu Hilfsangeboten

Berlin Hauptbahnhof
nur eingeschränkt

  • extrem überwacht
  • Duldung schwankt stark nach Sicherheitslage

Berlin ist Ausnahme, nicht Vorbild.


Hamburg 

Hamburg Hauptbahnhof (Randzonen)
  • Nähe zu Drob Inn, Kältebus, Bahnhofsmission
  • innen fast immer Räumung, außen / Übergänge, eher Duldung
Hamburg Altona
  • überschaubarer, weniger Hochglanz
  • punktuell geduldet

Köln Hbf / Dompassage
    • Bahnhofsmission stark
    • Security, aber situative Duldung bei Frost
    • stark tages- und personalabhängig

Frankfurt (Main)

  • Frankfurt Hbf – NICHT die Halle, sondern:

  • Seitenbereiche
  • Übergänge
  • Umfeld mit Streetwork
        Bahnhofsmission vorhanden, sehr hohe Verdrängung,
        aber bei extremer Kälte manchmal Durchlass.

Bremen

  • Bremen Hbf

  • vergleichsweise kleine Struktur
  • weniger privatisiert
  • noch eine der stilleren Ausnahmen im Norden

Oberhausen Hauptbahnhof (NRW) !!

  • Der Bahnhof wurde von der Deutschen Bahn zuletzt ausdrücklich so betrieben, dass bei extremer Kälte Obdachlose nicht weggeschickt werden sollen.

  • Die Sicherheitskräfte verzichten darauf, Menschen bei niedrigsten Temperaturen zu vertreiben, in Abstimmung mit sozialen Trägern.(WAZ)



Bahnhöfe, die praktisch nachts keinen stundenlangen Schutz mehr bieten (auch bei Kälte nicht)

🔴 München Hbf
🔴 Stuttgart Hbf
🔴 Düsseldorf Hbf
🔴 Hannover Hbf
🔴 Leipzig Hbf
🔴 Dresden Hbf
🔴 Nürnberg Hbf
🔴 Mannheim Hbf
🔴 Heidelberg Hbf und
🔴 viele weitere Bahnhöfe stehen nicht zur Verfügung.

Gemeinsame Merkmale:

  • konsequente Räumung
  • privatisierte Sicherheitslogistik
  • Null-Toleranz-Strategien
  • „Kältehilfe = woanders“ (siehe weiter unten)

Hier ist der Aufenthalt real gefährlich (Platzverweise, Anzeigen, Eskalation)!


Wichtige Verschiebung: Bahnhöfe verlieren ihre Funktion

Ein bitterer Befund:

Bahnhöfe sind nicht mehr der frei zugängliche, primäre Kälteschutz.

Stattdessen:

  • Nachtbusse
  • Kirchen (inoffiziell)
  • Container
  • U-Bahn-Zugänge (immer mehr überwacht)
  • Tiefgaragen
  • Treppenhäuser
  • Übergangsräume

Bahnhöfe sind heute Kontrollräume, keine Schutzräume mehr.

Betroffene müssen sich rechtzeitig über die Ersatzangebote / Übernachtungsmöglichkeiten informieren. 


Ehrliches Fazit

Wenn man es ganz realistisch betrachtet:

  • Berlin (2–3 Bahnhöfe)
  • Hamburg (1–2 Bereiche)
  • Köln (eingeschränkt)
  • Frankfurt (Teilbereiche)
  • Bremen (jeweils eingeschränkt)
  • Oberhausen Hauptbahnhof (NRW)
  • Kaiserslautern (bei Frost Aufenthaltstoleranz für Obdachlose,
    sehr begrenzter Platz).
    In Kaiserslautern gibt es ein Notprogramm,
    das bei Kälte tatsächlich greift – kombiniert aus:
    - 24/7 Notfallhotline ( 0631 – 34 31 78 78 / 24 h erreichbar)
    mit materieller Hilfe (Schlafsack, Kleidung) und 
    Kälte-Iglus auf der Pfarrwiese St. Martin für nächtlichen Schutz. 

Alles andere ist Risikozone, kein Zufluchtsort oder nachts verschlossen.


Deutsche Städte mit strukturierten Winter-/Kälte-Hilfsangeboten

Großstädte mit umfangreicher Kältehilfe (Notunterkünfte, Kälte-/Wärmebusse etc.)

Berlin

  • Winter-Kältehilfe mit über 1150 Notübernachtungsplätzen (Oktober–April). (mein-berlin.net)
  • Kälte- und Wärmebusse fahren durch die Stadt und bringen Menschen auf Wunsch zu Unterkünften. (mein-berlin.net)
  • Nacht-Cafés und zusätzliche spontane Angebote in Kältephasen. (Berliner Morgenpost)

Köln

  • Zusätzliche Kältegänge und Notunterkünfte im Winter sowie Informations-Hotlines. (Deutsche Welle)

Düsseldorf, Bielefeld, Dortmund (NRW)

  • In NRW werden Notunterkünfte in der kalten Jahreszeit rund um die Uhr geöffnet. (The Weather Channel)

Frankfurt am Main (Hessen)

  • Notunterkünfte, Kältebus und zahlreiche Tagesaufenthalte (u. a. Wärmestuben) angeboten. (DIE WELT)
  • Auch niedrigschwellige Treffpunkte wie der Franziskustreff bieten im Winter Wärme.(franziskustreff.de)


Weitere Städte mit etablierten Programmen und Hilfsstrukturen

München (Bayern)

  • Winter-Notunterkünfte öffnen je nach Wetterlage (traditionell schon länger Winterhilfe-Programme). (Spiegel)

Leipzig, Dresden, Chemnitz (Sachsen)

  • Notunterkünfte, Kältebus- bzw. Fahrdienste zu Unterkünften und Nachtcafés im Winter. (Die Sachsen)

Thüringer Städte (z. B. Jena, Erfurt, Weimar, Gera, Suhl, Mühlhausen)



Städte/Regionen mit systematischer Obdachlosen- oder Kältehilfe

Hessen (weitere Städte)

  • Wiesbaden: Ganzjährige „Winterregelung“ — Unterkünfte stehen wohnungslosen Menschen dauerhaft und bedingungslos offen. (DIE WELT)
  • Kassel, Gießen, Offenbach: erweiterte Notunterkünfte und Winter-Programme. (DIE WELT)

 Sachsen-Anhalt (z. B. Magdeburg, Halle, Dessau)

Mecklenburg-Vorpommern (Rostock, Schwerin, Stralsund, Neubrandenburg, Wismar)

  • Notunterkünfte, Begegnungsstätten, Tagesaufenthalte, Kältebusse und Straßensozialdienste. (DIE WELT)

Potsdam (Brandenburg)

  • Straßensozialarbeit in Kältezeiten, Decken/Isomatten/heiße Getränke, sowie Informations- und Unterstützungsnetzwerke. (themayor.eu)


Donnerstag, 15. Januar 2026

Wege aus der Verasozialisierung und Verrohung der Schulen (Teil 1): Ideen und Anregungen für Eltern

Wutausbruch eines Schülers
AI, gemeinfrei

Die zunehmende Gewalt, Regelverletzungen und sozialen Konflikte an Schulen werden
häufig der Schule selbst zugeschrieben. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch:

Die Ursachen liegen nur zu einem geringen Teil im schulischen Raum.

Schulen sind vielmehr der Ort, an dem sich gesellschaftliche Probleme bündeln und sichtbar werden – insbesondere die Folgen prekärer Lebenslagen von Familien und deren Kindern.

1. Wo das eigentliche Problem liegt

Viele Kinder aus prekären Familien starten bereits mit erheblichen Nachteilen in ihre Schullaufbahn. Diese betreffen nicht nur sprachliche oder kognitive Fähigkeiten, sondern vor allem grundlegende soziale Kompetenzen:

  • Verlässlichkeit
  • Frustrationstoleranz
  • Konfliktfähigkeit
  • Akzeptanz von Regeln und Autoritäten

Diese Fähigkeiten werden primär im familiären Umfeld erworben. Wenn dort Überforderung, Instabilität oder fehlende Orientierung vorherrschen, Kompetenzen fehlen, kann Schule dies nicht vollständig kompensieren. Die mitgebrachten problematischen familiären Verhaltensweisen entsprechen nicht den sozialen oder pädagogischen Regeln, stören den Betrieb, können ihn lahmlegen.  In solchen Fällen wird Schule zunehmend durch Störfaktoren „verasozialisiert“: Sie soll erziehen, stabilisieren, therapieren und kontrollieren – Aufgaben, für die sie weder konzipiert noch ausreichend ausgestattet ist.

2. Gibt es überhaupt noch wirksame Mittel?

Die ernüchternde, aber auch ermutigende Antwort lautet: Ja, es gibt Mittel und Wege – allerdings nur unter klaren Bedingungen.

 Nicht wirksam sind:

  • späte Eingriffe,
  • freiwillige Angebote ohne Verbindlichkeit,
  • reine Disziplinarmaßnahmen.

Wirksam sind dagegen Ansätze, die früh, verbindlich und systemisch ansetzen und Kinder und Eltern einbeziehen.

3. Einführungsjahre als realistischer Ansatz

Ein zentrales Instrument könnten Einführungs- oder Übergangsjahre sein – nicht als Sonderbeschulung oder Sanktion, sondern als strukturierte Sozialisierungsphase.

Für Kinder:

  • klare Tagesstrukturen
  • kleine Gruppen
  • intensive Beziehungsarbeit
  • explizites Erlernen sozialer Regeln
  • Förderung emotionaler Selbstregulation

Für Eltern:

  • verpflichtende, aber unterstützende Begleitung
  • Klärung von Rollen, Erwartungen und Zuständigkeiten
  • praktische Hilfen im Alltag
  • Vermittlung grundlegender Erziehungskompetenzen

Solche Einführungsjahre würden frühzeitig ansetzen, bevor sich schulisches Scheitern, Gewalt und Ablehnung gegenüber Institutionen verfestigen.

4. Ja – es ist faktisch eine Nacherziehung der Eltern!

So unangenehm dieser Begriff ist: In vielen Fällen handelt es sich tatsächlich um eine nachholende Qualifizierung elterlicher Erziehungs- und Sozialkompetenzen. Das ist kein moralisches Urteil über Eltern, sondern eine nüchterne Feststellung:

  • Viele Eltern sind selbst mit Schule und Institutionen überfordert.
  • Viele arbeiten unter prekären Bedingungen und haben kaum Zeitressourcen.
  • Viele reproduzieren unbewusst problematische Muster.

Frühzeitige, unterstützende Elternarbeit ist daher keine Bevormundung, sondern eine Schutzmaßnahme für Kinder.

5. Wie erreicht man Eltern, die arbeiten müssen?

Ein zentraler Einwand lautet zu Recht: Was ist mit Eltern, die beide arbeiten müssen?
Hier zeigt sich, dass Integration nur gelingen kann, wenn sie zeitlich realistisch gestaltet ist:

  • flexible Zeiten (abends, am Wochenende)
  • kurze, modulare Angebote
  • digitale oder hybride Formate
  • Kopplung an Betreuungszeiten der Kinder
  • feste Ansprechpartner (Familienlotsen)

Verbindlichkeit bedeutet dabei nicht starre Präsenzpflicht, sondern klare Ziele bei flexiblen Wegen.

6. Kann das die Verasozialisierung der Schulen verringern?

Ja – zumindest teilweise, aber schon deutlich.
Nicht, weil alle Probleme verschwinden, sondern weil:

  • Eskalationen früher abgefangen werden,
  • Regelklassen entlastet werden,
  • Bindungen stabilisiert werden,
  • Gewalt- und Ausgrenzungsdynamiken seltener entstehen.

Bereits partielle Stabilisierung von Familien wirkt sich messbar auf Schulklima und Sicherheit aus.

7. Die zentrale Erkenntnis

Die Frage ist nicht, ob man sich solche Maßnahmen leisten kann.
Die eigentliche Frage lautet:

Können wir es uns leisten, weiter nichts zu tun?

Ohne frühe, verbindliche und familienbezogene Intervention wird die Schule weiter Aufgaben übernehmen müssen, die sie strukturell überfordern – mit steigenden Kosten für Gesellschaft, Justiz und soziale Sicherungssysteme.

8. Schlussfolgerung

Ja, es gibt Mittel und Wege, die Problemdynamik prekärer Familien zu beeinflussen.
Ja, Einführungsjahre für Kinder und Eltern sind ein ernstzunehmender, praktikabler Ansatz.

Aber nur, wenn sie:

  • früh beginnen,
  • verbindlich, aber unterstützend sind,
  • Eltern realistisch einbeziehen,
  • und politisch konsequent getragen werden.

Dann kann die Verasozialisierung der Schulen wieder abnehmen – nicht durch Härte, sondern durch frühe Verantwortung und verlässliche Unterstützung.


Weitere Gegenmaßnahmen


1. Früh ansetzen: Bevor Schule überfordert wird

Ziel: Gewalt nicht erst sanktionieren, sondern verhindern.

  • Verbindliche Sprach- und Sozialdiagnostik vor Schuleintritt
    Früh erkennen: Sprachdefizite, Verhaltensauffälligkeiten, Bindungsprobleme.
  • Vorschulische Förderpflicht statt Förderangebot
    Teilnahme nicht freiwillig, sondern verbindlich bei festgestellten Defiziten.
  • Enge Verzahnung von Kita, Jugendamt und Grundschule
    Übergänge sind Hochrisikophasen für Eskalation.

Wirkung: Reduziert spätere Schulüberforderung und Aggressionsdynamiken.



2. Schule entlasten: Klare Rollen statt Überforderung

Ziel: Lehrkräfte unterrichten lassen – nicht kompensieren.

  • Mehr Schulsozialarbeit, Psychologen, Deeskalationsfachkräfte
    Besonders an Brennpunktschulen im festen Team.
  • Klare Zuständigkeiten bei Gewalt
    Lehrkräfte melden → Sozialarbeit/Jugendhilfe greift ein → ggf. Polizei.
  • Konsequente Sanktionen bei Gewalt
    Pädagogisch begleitet, aber verbindlich (keine folgenlosen Grenzverletzungen).

Wirkung: Schule bleibt Lernort, nicht Reparaturbetrieb.


3. Elternarbeit neu denken – realistisch, verbindlich, niedrigschwellig

Ziel: Verhaltensmuster verändern, nicht moralisieren.

  • Verpflichtende Elternprogramme bei Auffälligkeiten
    Erziehung, Konfliktlösung, Schulpflicht, Umgang mit Gewalt.
  • Formate für arbeitende Eltern
    Abend- und Wochenendtermine, Online-Module, kurze Präsenzphasen.
  • Konsequenzen bei dauerhafter Verweigerung
    Jugendamtliche Maßnahmen statt bloßer Appelle.

Wirkung: Eltern werden Teil der Lösung, nicht nur Adressaten von Kritik.



4. Trennung von Förderung und Schutz

Ziel: Opfer schützen, Täter konsequent begrenzen.

  • Sofortiger Schutz für Betroffene
    Klassenwechsel, Begleitung, klare Signale.
  • Temporäre Auslagerung hochaggressiver Schüler
    Förder-, Übergangs- oder Intensivgruppen statt Dauerstörung.
  • Rückkehr nur mit klaren Auflagen
    Sozialtraining, Verhaltenstraining, Elternmitwirkung.

Wirkung: Schule signalisiert Handlungsfähigkeit und Gerechtigkeit.



5. Umgang mit ideologischen Einflüssen (z. B. Extremismus)

Ziel: Radikalisierung früh stoppen.

  • Früherkennung von extremistischen Symbolen und Narrativen
  • Kooperation mit Präventionsstellen gegen Extremismus
  • Klare Nulltoleranz gegenüber Gewaltlegitimation
  • Egal aus welchem politischen oder religiösen Spektrum.

Wirkung: Schule bleibt demokratischer Schutzraum.



6. Gesellschaftliche Stellschrauben (außerhalb der Schule)

Ziel: Ursachen reduzieren, nicht nur Symptome.

  • Armutsbekämpfung und Wohnstabilität
  • Verlässliche Integrations- und Sprachpolitik
  • Jugendangebote im Sozialraum
  • Sport, Mentoren, sinnvolle Freizeit statt Straße.

Wirkung: Weniger Frustration, weniger Gewaltpotenzial.


Zentrales Fazit

Ja – es gibt Mittel und Wege, die Gewaltspirale zu brechen.
Aber nur unter drei Bedingungen:

  1. Früh, verbindlich und konsequent handeln.
  2. Schule entlasten statt überfrachten.
  3. Elternarbeit verpflichtend und realistisch organisieren.

Ohne diese Punkte wird jede Maßnahme zur Symbolpolitik.
Mit ihnen kann die Verrohung an Schulen messbar zurückgehen.



Wissenschaftler, Autoren, Therapeuten, die Forderungen in Richtung „Einführungsjahre“ + „Nacherziehung der Eltern“ vertreten

1. Jesper Juul

International bekannter Familientherapeut. Beschreibt in „Pubertät – Wenn Erziehen nicht mehr geht“ und anderen Werken, dass viele Eltern grundlegende erzieherische Kompetenzen nicht mitbringen.
Betont die Notwendigkeit nachträglicher Erziehung der Eltern, um Kindern stabile Beziehungen zu ermöglichen. In der Fachliteratur wird Juul sogar explizit im Kontext „Nacherziehung“ zitiert.

2. Michael Macsenaere & Jens Arnold (IKJ Mainz)

Empirische Forschung zu Hilfen zur Erziehung. Fordern verpflichtende Elternarbeit, weil Kinder ohne parallele Elternkompetenzförderung nicht stabil gefördert werden können. beide betonen, dass Elternarbeit zwingend ist, um Verhaltensauffälligkeiten und Schulversagen zu verhindern.

3. Haim Omer 

Entwickelt Konzepte, die explizit auf Re‑Sozialisierung der Elternrolle abzielen. Forderung: Eltern müssen „wieder handlungsfähig gemacht“ werden – durch Training, Coaching, klare Strukturen. Wird in Schulen und Jugendhilfe breit rezipiert.

4. Remo Largo

In „Babyjahre“ und „Kinderjahre“: Eltern benötigen systematische Anleitung, weil moderne Gesellschaften traditionelle Sozialisationsmechanismen verloren haben. Plädiert für strukturelle Unterstützungssysteme, die Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit stabilisieren.

5. Franz Hamburger

Erziehungswissenschaftler, der seit den 1990ern fordert, dass Elternbildung verpflichtender Bestandteil von Sozialpolitik sein müsse. Sieht mangelnde elterliche Sozialisation als Kernproblem sozialer Ungleichheit.

6. Klaus Hurrelmann

Sozialisationstheoretiker. Betont, dass viele Eltern die primäre Sozialisation nicht mehr leisten können. Fordert institutionelle Kompensation – u.a. durch vorschulische Programme, Übergangsbegleitung und Elterntrainings.

7. Gerald Hüther

Neurobiologe. Kritisiert „erziehungsunfähige“ Eltern und fordert systematische Elternbildung, um Kindern stabile emotionale Rahmenbedingungen zu geben.

8. Alfred Adler / Rudolf Dreikurs (Individualpsychologie)

Historisch wichtig: Forderten bereits in den 1920ern Elternschulen, um elterliche Erziehungskompetenz nachträglich zu vermitteln.

9. John Bowlby / Mary Ainsworth (Bindungstheorie)

Nicht politisch fordernd, aber wissenschaftlich zentral: Ihre Forschung begründet die Notwendigkeit früher, strukturierter Sozialisierungsphasen und intensiver Elternbegleitung.

10. Heinz Sünker / Hans Thiersch (Sozialpädagogik)

Fordern eine „pädagogische Rekonstruktion der Elternrolle“. Eltern müssen in ihrer Erziehungsfunktion professionell begleitet werden.

11: Autoren, die explizit Übergangsjahre / Brückenjahre fordern:

Kirsten Raudonat über das „Brückenjahr“ zwischen Kita und Grundschule.
Thorsten Bührmann über Übergänge in der frühen Bildung und Elternarbeit.
Sylvia Jäde über den Übergang zur Elternschaft als kritische Sozialisationsphase.

Das Modell – Einführungsjahr für Kinder + verpflichtendes Elternjahr
Charakter des Modells:
Eine Synthese aus drei Diskursen:
1. Frühkindliche Übergangsforschung
Raudonat, Bührmann, Jäde
2. Elternkompetenzförderung / Nacherziehung
Juul, Macsenaere, Omer, Hurrelmann
3. Sozialisationstheorie
Hurrelmann, Sünker, Thiersch
Ergebnis der Synthese:
Eine strukturierte Sozialisierungsphase für Kinder und Eltern, bevor Probleme chronisch werden.





Literatur zum Thema

Jesper Juul

  • Dein kompetentes Kind (1997)
  • Pubertät – Wenn Erziehen nicht mehr geht (2007)

Michael Macsenaere & Jens Arnold

  • Wirkungsorientierte Jugendhilfe (mehrere Auflagen)
  • Qualität und Wirksamkeit in den Hilfen zur Erziehung (2015)

Haim Omer

  • Neue Autorität (2006)
  • Stärke statt Macht (2010)

Remo Largo

  • Babyjahre (1993)
  • Kinderjahre (1999)

Franz Hamburger

  • Migration und Bildung (2009)
  • Sozialpädagogik in der Einwanderungsgesellschaft (2004)

Klaus Hurrelmann

  • Einführung in die Sozialisationstheorie (zahlreiche Auflagen)
  • Lebensphase Jugend (mit U. Engel)

Gerald Hüther

  • Was wir sind und was wir sein könnten (2011)
  • Mit Freude lernen (2016)

Alfred Adler / Rudolf Dreikurs

  • Adler: Menschenkenntnis (1927)
  • Dreikurs: Kinder fordern uns heraus (1964)

John Bowlby / Mary Ainsworth

  • Bowlby: Attachment and Loss (1969–1980)
  • Ainsworth: Patterns of Attachment (1978)

Hans Thiersch / Heinz Sünker

  • Thiersch: Lebensweltorientierte Soziale Arbeit (1992)
  • Sünker: Sozialpädagogik und Gesellschaft (2000)

Kirsten Raudonat

  • Das Brückenjahr – Übergänge gestalten (2009)

Thorsten Bührmann

  • Übergänge in der frühen Bildung (2012)

Sylvia Jäde

  • Elternschaft als Übergang (2014)

Besetzung Grönlands als Comedy

https://youtube.com/shorts/x0xp2eMchxA?si=mPj5IxQR4pIGY0qc




Mittwoch, 7. Januar 2026

Aktuelle rechtspopulistische Welle: Rechtsextreme Vorfälle an Schulen – steigender Trend

Demo vor Schule (KI, gemeinfrei)




Radikale politische Haltungen fördern Protest- und Widerstandsverhalten. Schulstörungen
entstehen dort, wo politische Ideologien demokratische Grundregeln, Respekt, Vielfalt und dialogfähigen Diskurs ablehnen oder infrage stellen. Studien und pädagogische Praxis zeigen, dass vielfältige politische Bildung, demokratische Wertevermittlung und Resilienzförderung entscheidende Schutzfaktoren gegen radikale Störungen sind.
 (PubMed)

Es gibt inzwischen belastbare quantitative Daten darüber, wie häufig politisch motivierte und extremistische Vorfälle an Schulen vorkommen. Sie zeigen zwar nicht direkt, wie viele Schüler „radikalisiert“ sind, aber sie geben messbare Hinweise auf das Auftreten extremistischer Verhaltensweisen und politisch motivierter Störungen im schulischen Umfeld.

1. Rechtsextreme Vorfälle an Schulen – steigender Trend

Aktuelle Berichte aus mehreren Bundesländern zeigen einen deutlichen Anstieg rechtsextrem motivierter Vorfälle an Schulen:

In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2025 bis Mitte Oktober 70 rechtsextreme Vorfälle registriert (z. B. Hitlergruß, Hakenkreuze, antisemitische Sprüche) – mehr als in den Vorjahren (2024: 53; 2023: 38) (DIE WELT).

In Nordrhein-Westfalen waren in 2024 insgesamt 452 rechtsextreme Taten an Bildungsstätten (Schulen und Unis) dokumentiert, gegenüber 277 im Jahr 2023 (DIE WELT).

Laut stern.de-Auswertung zeigen polizeiliche und schulische Statistiken bundesweit steigende Zahlen rechtsextremer Straftaten und Vorfälle an Schulen, teils mit deutlichen Zunahmen zwischen 2015 und 2024 in mehreren Bundesländern (stern.de).

Diese Zahlen belegen nicht direkt Radikalisierung einzelner Personen, sie dokumentieren aber Vorfälle mit extremistischem Hintergrund, die im schulischen Raum auftreten und gezählt werden.


2. Warum diese Zahlen relevant sind

Politisch motivierte Straftaten und Vorfälle an Schulen werden oft erfasst, wenn sie:
    • Straftaten mit extremistischem Bezug sind (z. B. öffentliche Verherrlichung verfassungsfeindlicher Symbole)
    • als nicht-strafbare Vorfälle im schulischen Kontext gemeldet werden (z. B. Propagandamaterial, diskriminierende Aussagen, Hakenkreuz-Schmierereien innerhalb der Schule),
    • oder wenn sie im Rahmen schulinterner Meldesysteme dokumentiert werden (stern.de).
Diese Zahlen dienen als Indikator dafür, wie stark extremistische Inhalte und Verhaltensweisen im schulischen Alltag präsent sind.


 3. Rechtsextremismus als größter erfasster Bereich

Auch über Schulen hinaus zeigen die Verfassungsschutz-Daten, dass politisch motivierter Extremismus in Deutschland – gemessen an Straftaten und Personenpotenzial – stark rechtsextreme Ausprägungen aufweist:

Insgesamt wurden 2024 bundesweit rund 37.800 rechtsextremistische Straftaten registriert, was ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr war (Reddit).

Das rechtsextremistische Personenpotenzial wurde 2024 auf etwa 50.250 Personen geschätzt (Reddit).

Diese übergreifenden Extremismuszahlen stimmen in der Tendenz mit den schulischen Vorfällen überein: rechtsextreme Inhalte und Delikte dominieren die erfassten Fälle in Bildungseinrichtungen, was sich auch in der schulischen Statistik widerspiegelt.


4. Limitierungen der Daten

Wichtig zu wissen:
  • Keine einheitliche bundesweite Erfassung: Nicht alle Bundesländer dokumentieren schulische Vorfälle gleich ­systematisch (stern.de).
  • Unterschiedliche Erfassungskriterien: Polizeiliche Kriminalstatistik und schulinterne Meldesysteme verwenden nicht immer die gleichen Kategorien (stern.de).
  • Keine direkte Messung von „Radikalen“: Vorfälle sind ein Verhaltensindikator, aber sie zeigen nicht automatisch, wie viele Schüler ideologisch radikalisiert sind – dafür wären differenzierte Befragungen erforderlich.

5. Fazit — Was die Zahlen aussagen


Die Zahlen zeigen einen realen und messbaren Anstieg von politisch extremistischen Vorfällen an Schulen, insbesondere im Bereich des Rechtsextremismus.

Sie dienen als Indikator gesellschaftlicher Radikalisierungstendenzen unter Jugendlichen – denn sie spiegeln, wie oft Schule direkt von extremistischen Symbolen, Sprüchen oder Verhaltensweisen betroffen ist.

Sie belegen nicht, dass ein hoher Prozentsatz an Schülern radikalisiert ist, sondern dass radikale Inhalte und Verhaltensweisen im schulischen Alltag zunehmen und dokumentiert werden.


Beispiele: Mobbing und Bullying


Links auch einmal Mobbing von Lehrern gegenüber Schülern, und rechts die allzu bekannte Szene aus dem Schulalltag.  Bullying verwendet mehr Gewaltandrohung, was hier nicht so deutlich wird. (Fotos: KI, gemeinfrei)  



Mobbing und Bullying sind leider alltägliche Probleme an Schulen, die schwerwiegende Auswirkungen auf die Betroffenen haben können.

Man könnte sagen, dass Mobbing und Bullying eine Art von sozialer Interaktion sind, bei der eine Person oder eine Gruppe von Personen eine andere Person systematisch und wiederholt schikaniert, belästigt oder einschüchtert. Dies kann verbal, physisch oder psychisch geschehen und kann sowohl online als auch offline stattfinden.

Einige mögliche Gründe für Mobbing und Bullying an Schulen könnten sein:
    • Soziale Hierarchien und Machtstrukturen
    • Mangelnde Empathie und soziale Kompetenz
    • Druck von Peers und Gruppenzwang
    • Unsicherheit und Angst
    • Fehlende Aufsicht und Unterstützung durch Lehrer und Eltern
Es ist wichtig, dass Schulen und Eltern gemeinsam daran arbeiten, ein positives und unterstützendes Schulklima zu schaffen, in dem jeder Schüler sich sicher und respektiert fühlt.

Schulen können manchmal Orte sein, an denen Mobbing und Bullying unentdeckt bleiben, insbesondere in Bereichen, die nicht direkt von Lehrern oder Aufsichtspersonen überwacht werden, wie z.B. in den Gängen, auf dem Schulhof oder in den Pausen.
Es ist wichtig, dass Schulen Maßnahmen ergreifen, um diese "blinden Flecken" zu minimieren und sicherzustellen, dass alle Schüler sich sicher und geschützt fühlen. Dazu gehören:
    • Regelmäßige Aufsicht und Patrouillen in den Gängen und auf dem Schulhof
    • Schaffung von sicheren Räumen, in denen Schüler sich zurückziehen können, wenn sie Hilfe benötigen
    • Förderung von Empathie und sozialer Kompetenz durch Unterricht und Projekte
    • Einbeziehung von Schülern, Lehrern und Eltern in die Prävention und Bekämpfung von Mobbing und Bullying
Es ist auch wichtig, dass Schüler wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe benötigen oder sie Zeuge von Mobbing oder Bullying werden.


Die bundesweiten Erhebungen für 2025 zu rechtsextremen Vorfällen an Schulen zeigen, dass es kein vollständig einheitliches bundesweites Lagebild gibt – viele Länder *erfassen diese Vorfälle nicht einheitlich oder gar nicht statistisch*. Das macht genaue Vergleiche schwierig.  WEB.DE [1]


Bundesländer mit den meisten rechtsextremen Vorfällen an Schulen (Stand 2025, bis Herbst)

Nach verfügbaren Daten aus Landespolizeien und Schulämtern deutet sich folgendes an:  stern.de [2]

Berlin

Bis Anfang Oktober 2025 wurden ca. 95 rechtsextreme Straftaten an Schulen gemeldet (z. B. Hitlergrüße, Propaganda, Beleidigungen. stern.de[3]

Baden-Württemberg (s.o.)

Brandenburg

Polizei registrierte rund 216 rechtsextreme Straftaten an Schulen bis Oktober 2025. stern.de[3]

Schulämter meldeten 2024 sogar bis zu etwa 605 Vorfälle – weit über rein polizeilich erfasste Taten.  stern.de[2]

Nordrhein-Westfalen (s.o)

Rheinland-Pfalz & Hessen

Rheinland-Pfalz hatte bis August 2025 mindestens 39 Vorfälle gemeldet (knapp unter dem Vorjahr). stern.de[3]

Hessen zeigte auch zweistellige bis dreistellige Fallzahlen, allerdings ist die Trendlage je nach Erhebung unterschiedlich.  stern.de[3]

Konkrete Stadt-Fallbeispiele 2025

Duisburg (Nordrhein-Westfalen)
Mehrere Schulen wurden im April 2025 nach *rechtsextremen Drohungen/Threat-Mails* vorsorglich geschlossen; etwa 17 – 20 Schulen betroffen.  dailyfinland [4]

Quellen:

[1]: https://web.de/magazine/politik/inland/rechtsextremismus-schulen-deutschland-blindflug-41589086?utm_source=chatgpt.com "Rechtsextremismus an Schulen: Deutschland im Blindflug | WEB.DE"

[2]: https://www.stern.de/politik/deutschland/rechtsextremismus--wie-viele-vorfaelle-gibt-es-an-deutschen-schulen--36150006.html?utm_source=chatgpt.com "Rechtsextremismus: Wie viele Vorfälle gibt es an deutschen Schulen? | STERN.de"

[3]: https://www.stern.de/politik/deutschland/rechtsextreme-vorfaelle-schon-jetzt-teilweise-hoeher-als-2024-36138480.html?utm_source=chatgpt.com "Rechtsextreme Vorfälle schon jetzt teilweise höher als 2024 | STERN.de"

[4]: https://www.dailyfinland.fi/europe/42623/17-schools-stay-closed-in-Germany-over-far-right-threats?utm_source=chatgpt.com "17 schools stay closed in Germany over far-right threats"



Sonntag, 4. Januar 2026

D - URSACHEN - Schulische Misserfolge - Radikalisierung - Drogen - Straf- und Gewalttaten an deutschen Schulen

Ursachen der Gewalt an Schulen

Dauerhaft schlechte Zensuren
(KI)


Soziale Ursachen

  • Sozioökonomische Belastungen: Armut, prekäre Lebenssituationen, familiärer Stress – erhöhen Aggressionen im Alltag. 

  • Fragmentierte soziale Bindungen: Weniger stabile Bezugspersonen- und Erziehungsmodelle zu Hause; Schule muss mehr leisten als nur Wissensvermittlung, um zu kompensieren. 

  • Ungleichheiten und kulturelle Spannungen: Unterschiedliche soziale Hintergründe ohne ausreichende Integrations- und Unterstützungsstrukturen.

  • Experten deuten eine allgemeine „gesellschaftliche Verrohung“ an – weniger Empathie, mehr Konflikte werden physisch ausgetragen. DIE WELT

  • Erziehung durch prekäre und ähnliche Eltern wird in (sehr) hohem Maß durch Affinität zu rechtspopulistischen, radikalen und teils extremistischen Anschauungen beeinflusst. Sie stellen das gesamte Schul- und Gesellschaftssystem in Frage.

Individuelle Faktoren

  • Entwicklungsprobleme, Impulsivität, mangelnde Konfliktlösungsfähigkeiten.

  • Rolle sozialer Medien, in denen Gewalt glorifiziert oder aufgezeichnet wird.

Institutionelle Faktoren

  • Überforderung der Schulen (große Klassen, Heterogenität, zu wenig Fachkräfte).

  • Mangel an frühzeitiger Unterstützung durch Schulsozialarbeit, Therapieangebote, Konfliktberatung.

  • Mangelnde Erreichbarkeit eines erheblichen Teils der Eltern mit demokratischen pädagogischen Zielen.


Zahlen wachsen – trotz Erfassungsgrenzen

Damit die Zahlen nicht vollends frustrieren, werden Einschränkungen in der Erfassung verwirklicht:
  • Die PKS misst nur polizeilich registrierte Straftaten, nicht alle Konflikte oder nicht angezeigte Übergriffe.
  • Seit 2019 gibt es Erfassungsänderungen: z. B. werden Schulweg und außerschulische Veranstaltungen bei „Tatörtlichkeit Schule“ nicht mehr eingerechnet – was die Vergleichbarkeit erschwert. DIE ZEIT

Andererseits wird auch mehr an den messbaren Stellen auf Erfassung geachtet:
  • Verbesserte Meldesysteme und verstärkte Sensibilisierung führen dazu, dass mehr Vorfälle erfasst werden als früher, auch wenn sie vorher stattfinden, aber nicht gemeldet wurden.
  • Schulverwaltungen, Polizei und Kultusministerien dokumentieren bewusst stärker, um Handlungsbedarfe sichtbar zu machen.

Der Anstieg ist real

  • Fachstellen, Lehrkräftebefragungen und Landesstatistiken zeigen, dass die Zunahmen auf tatsächliche  Steigerungen und Eskalationen zurückzuführen sind.
  • Zunahme von körperlichen Angriffen, Drohungen, Einschüchterung im Schulkontext.
  • Messer‑ oder Stichausrüstungen werden häufiger gesehen – nicht nur Einzelfälle. DIE ZEIT
  • Heterogene Klassen, Personalmangel, fehlende Schulsozialarbeit und unzureichende psychosoziale Unterstützung erschweren Konfliktprävention.
Regierungs- bzw. Verwaltungsträger weisen darauf hin, dass traditionelle Respekt‑ und Autoritätsnormen schwächer ausgeprägt sind als früher, was Konflikte im schulischen Alltag begünstigt:
  • Respekt und ein kooperatives Sozialklima in Schulen soll als zentraler politischer und pädagogischer Auftrag gelten (NRW, Hessen). land.nrw
  • Es bestehen stärker als zuvor gesellschaftliche und schulische Herausforderungen, die Vermittlung und Implementierung von Respekts- und Autoritätsnormen vorzunehmen, oft verbunden mit Ablehnung und folgenden Konflikten und Gewalt (NRW: Studie und Programme; Wales-Bericht: Normalisierung von Disruption). land.nrw
  • Staatliche Programme und Leitlinien wollen aktiv gegen dysfunktionale Verhaltensnormen arbeiten und Respekt sowie demokratisches Miteinander fördern (NRW „MindOut“, Hessen „Gewaltprävention und Demokratie lernen“, UK Bericht zu Verhaltensmanagement). land.nrw      

Insgesamt zeigt die zeitliche Entwicklung, dass Gewalt an Schulen kein Störfall, sondern ein strukturelles, mehrjähriges Phänomen geworden ist – das durch gesellschaftliche Belastungsfaktoren, institutionelle Herausforderungen im Bildungssystem und veränderte soziale Normen beeinflusst wird.

Warum sind Radikalisierung, Extremisierung und Polarisierung als politisch-gesellschaftliche Handlungen und Daseinsbewusstsein 
potenzielle Schulstörer?


Allgemeiner Befund: Radikalisierung trifft Schule

Studien und pädagogische Praxis zeigen, dass politische Radikalisierung in unterschiedlichen ideologischen Ausprägungen in schulische Lebenswelten eindringen kann und dort Konflikte erzeugt, die pädagogische Prozesse, soziale Integration und demokratische Lernziele gefährden können. (politik-lernen.at)

Rechtsextremismus: Wirkungen in und um Schule


Rechtsextreme Einstellungen bei Schülerinnen und Schülern zeigen sich oft in rassistischen Beleidigungen, Symbolik (z. B. Hitlergruß) und Ausgrenzungsverhalten – empirisch beobachtet in mehreren Bundesländern. (DIE WELT)

Rechtsextreme Propaganda und Gruppierungen nutzen soziale Medien gezielt, um junge Menschen zu erreichen. Jugendlichen wird über algorithmische Echokammern ein vereinfachtes, extrem vereinheitlichtes Weltbild vermittelt, das demokratische Werte unterhöhlt. (DIE WELT)

Warum dies schulisch stört

Demokratievermittlung, Respekt und Vielfalt sind zentrale Schulziele – rechtsextreme Ideologie setzt Gegennormen (z. B. Ungleichheit, ethnischer Exklusion). Das erzeugt kognitive Dissonanz und Konflikte im Unterricht.

Rechtsextreme Einstellungen sind mit höherer Wahrscheinlichkeit verbunden mit Gruppenbildung, Außenseiteridentität und oppositionellem Verhalten, was soziale Kohäsion in Klassen stören kann.

Wichtiger Hinweis: Politische Selbstpositionierung „rechts“ ist nicht automatisch extremistisch – die Störung entsteht durch antidemokratische, gewaltlegitimierende Inhalte, nicht durch konservative Meinungen an sich. (bpb.de)

Linksextremismus: Wirkungen in und um Schule


Linksextreme Orientierung kann – anders als formaler Rechtsextremismus – in Schulkontexten oft als protestorientierte Haltung auftreten, etwa als starke Ablehnung staatlicher Institutionen oder kapitalistischer Strukturen. (schule.zdf.de)

Gewalttätige linksextreme Aktionen (z. B. bei G20-Protesten) haben historisch gezeigt, dass Teile der Bewegung auch Kontrolle von Ordnungskräften und bestehender Institutionen ablehnen. (schule.zdf.de)

Warum dies schulisch stört

Linksextreme Positionen können die Legitimität des staatlichen Bildungssystems selbst problematisieren, was zu gezielten Provokationen im Unterricht führt.

Kritisch-radikale Schüler können normative Bildungsziele (z. B. Akzeptanz pluraler Meinungen) als „Staatspropaganda“ ablehnen, was Lern- und Diskursklima belastet.

Wichtiger Hinweis: Auch die politische Selbstpositionierung „links“ ist nicht automatisch extremistisch – die Störung entsteht durch antidemokratische, gewaltlegitimierende Inhalte, nicht durch klassische z.B. sozialdemokratische Meinungen an sich. (bpb.de)

Religiös begründete Radikalisierung (z. B. islamistische Strömungen): Wirkungen in und um Schulen

Es gibt dokumentierte Vorfälle, in denen extremistische Glaubensansprüche (z. B. strenge Scharia-Regeln im Schulalltag) zu Konflikten mit schulischen Regeln und demokratischen Werten geführt haben. (BILD)

Wissenschaftliche Einschätzung

Religiös begründeter Extremismus kann Formen von Autoritätskonflikt, Normenkollision und Ausgrenzung erzeugen, die nicht nur Belange der Religion betreffen, sondern pädagogische Grundprinzipien infrage stellen. Pädagogische Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung thematisieren dies als ernstzunehmende Herausforderung. (bpb.de)


Populismus (breiter als Extremismus): Wirkungen in und um Schule


Populistische Haltungen – etwa „alles gegen die Eliten“ oder „wir gegen die Anderen“ – können im Schulkontext ebenfalls Konflikte erzeugen, auch wenn sie formal nicht extrem sind. Populismus wirkt über:
  • Vereinfachung komplexer Fragen
  • Feindbildformulierung
  • Reduktion demokratischer Institutionen auf „korrupt/unkompetent“
Solche Haltungen führen in Klassen oft zu Blockaden im Diskurs, Polarisierung und Konflikten zwischen Schülergruppen, was Lernprozesse erschwert. Populistische mit radikalen Inhalten gemischte Weltanschauungen sind im wahrsten Sinne des Wortes Diskussionszerstörer.


Psychologische Wirkmechanismen hinter Radikalisierung


Unabhängig von der Richtung zeigen Studien, dass ideologisch radikalisierte Jugendliche häufig erleben:
  • Soziale Isolation
  • Identitätskonflikte
  • Gefühl politischer Ohnmacht
  • Emotionale Mobilisierung über Angst/Feindbilder
Diese Faktoren stehen in Verbindung mit schlechteren sozialen Beziehungen, geringerer politischer Toleranz und erhöhter Gewaltbereitschaft, die sich auch im schulischen Kontext manifestieren können. (plus62.isha.or.id  Wissenschaftliche Ergebnisse aus Indonesien)

Schule als besonderer Ort der Störanfälligkeit

Risikofaktoren

Schule wird dann besonders störanfällig, wenn:
  • Demokratieverständnis fehlt
  • Umgang mit Konflikten nicht gelehrt wird
  • Soziale Ungleichheit und Ausgrenzung erlebt wird

Schutzfaktoren (basierend auf empirischer Forschung)

Eine Studie zur Messung von Resilienz gegen Radikalisierung an Schulen zeigt:

Ein egalitärer Schulrahmen, der Gleichberechtigung und faire Partizipation stärkt, verringert radikale Tendenzen. (PubMed)

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Was extremistische Haltungen im Schulkontext bewirken können


Politische AusrichtungTypische Störwirkung im SchulalltagBelege
RechtsextremismusRassistische Sprache, Symbolik, Ablehnung demokratischer Vielfalt(DIE WELT)
LinksextremismusAblehnung staatlicher Ordnung, Protestlogik im Klassenzimmer(schule.zdf.de)
Religiös  extremistischNormenkollision zwischen Glaubensregeln und Schulregeln(bpb.de)
Populismus allgemeinPolarisierung, Vereinfachung, Diskursblockadenimplizit durch pädagogische Beobachtungen

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