Freitag, 27. März 2026

Rettet die Steuerzahler: Neben den Steuerstaat muss der Unternehmerstaat treten!

Die Steuerpresse
(AI, gemeinfrei)

Was sich derzeit abzeichnet, ist kein gewöhnliches Finanzierungs-problem, sondern eine strukturelle Schieflage: Der Staat braucht mehr Einnahmen, schneller verfügbar, als das bestehende Steueraufkommen realistischerweise liefern kann – zumindest ohne Wachstum zu gefährden oder politische Widerstände zu eskalieren. Daraus entsteht ein Zwang, der über klassische Steuerpolitik hinausweist.

Die naheliegende, aber oft unterschätzte Antwort liegt in einer Neudefinition der staatlichen Rolle: Weg vom reinen Abholer und Umverteiler – hin zum unternehmerisch handelnden Akteur, der selbst Wertschöpfung generiert!


Die Diagnose ist so schlicht wie beunruhigend: Der Staat benötigt mehr Geld – und er benötigt es schneller, als es das bestehende System bereitstellen kann. Was auf den ersten Blick wie ein zyklisches Problem erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als strukturelle Verschiebung. Denn hier kollidieren zwei Entwicklungen, die sich gegenseitig verstärken: steigende staatliche Aufgaben auf der einen Seite, eine träge und begrenzte Einnahmemechanik auf der anderen.

Der moderne Steuerstaat ist auf Stabilität ausgelegt, nicht auf Geschwindigkeit. Er funktioniert wie ein großes, schwerfälliges Getriebe: zuverlässig, aber langsam. Einnahmen entstehen aus wirtschaftlicher Aktivität, werden zeitverzögert abgeschöpft, politisch verteilt und administrativ umgesetzt. Dieses Modell gerät jedoch unter Druck, sobald die Anforderungen nicht mehr linear wachsen, sondern sprunghaft: geopolitische Unsicherheiten, militärische Aufrüstung, Energietransformation, demografische Alterung, infrastruktureller Nachholbedarf. All das erzeugt einen Finanzbedarf, der nicht nur größer, sondern vor allem unmittelbarer ist.

Hier liegt der eigentliche Bruch: Das Volumen der notwendigen Mittel und die Geschwindigkeit ihrer Verfügbarkeit streben diametral auseinander. Selbst wenn politische Mehrheiten für Steuererhöhungen existierten – was zunehmend fraglich ist – bliebe das Problem der zeitlichen Verzögerung. Steuerpolitik wirkt mit Verzögerung, sie greift in bestehende wirtschaftliche Prozesse ein, verändert Verhalten, benötigt Gesetzgebungsverfahren und administrative Anpassung. Kurz: Das bisherige Modell ist das falsche Instrument für eine Situation, die nach Beschleunigung verlangt - und nach Entlastung.

Die klassische Antwort, die dennoch reflexhaft gegeben wird, lautet: mehr Steuern, mehr Schulden, mehr Umverteilung. Doch jede dieser Antworten trägt ihre eigene Begrenzung in sich. Höhere Steuern dämpfen die wirtschaftliche Dynamik, aus der sie gespeist werden. Zusätzliche Schulden verschieben das Problem in die Zukunft und erhöhen die Zinslast in einer Zeit steigender Kapitalpreise. Umverteilung wiederum setzt voraus, dass überhaupt genügend Substanz vorhanden ist, die umverteilt werden kann. In der Summe entsteht ein paradoxes Bild: Der Staat versucht, aus einem System mehr herauszuholen, dessen Wachstumsfähigkeit er gleichzeitig belastet.

An diesem Punkt wird deutlich, dass es sich nicht mehr um eine Frage der Justierung handelt, sondern um eine Frage der Rolle. Der Staat kann nicht länger ausschließlich als Umverteiler agieren, der Wertschöpfung abschöpft, die andere erzeugen. Er muss beginnen, selbst Teil dieser Wertschöpfung zu werden – nicht ideologisch überhöht, nicht als Rückkehr zu planwirtschaftlichen Modellen, sondern pragmatisch, selektiv und strategisch.

Ein solcher Perspektivwechsel bedeutet, den Staat als unternehmerischen Akteur zu denken. Nicht im Sinne eines allumfassenden Wirtschaftssubjekts, sondern als gezielten Betreiber, Investor und Plattformgestalter in Bereichen, in denen Märkte entweder zu langsam, zu fragmentiert oder zu risikoscheu agieren. Die entscheidende Verschiebung liegt darin, dass Einnahmen nicht mehr ausschließlich aus Besteuerung resultieren, sondern zunehmend aus eigener wirtschaftlicher Tätigkeit.

Diese Idee ist weniger revolutionär, als sie zunächst erscheint. In Ansätzen existiert sie bereits: staatliche Beteiligungen, öffentliche Unternehmen, Infrastrukturbetreiber, Förderbanken. Doch sie werden bislang nicht als systematischer Bestandteil einer Finanzstrategie verstanden, sondern als historisch gewachsene Einzelphänomene. Genau hier liegt das ungenutzte Potenzial. Würde man diese Elemente bündeln und konsequent weiterentwickeln, entstünde ein zweiter Einnahmekanal neben dem Steueraufkommen – einer, der nicht nur Volumen, sondern auch Geschwindigkeit liefern kann.

Ein Staat, der gezielt in Schlüsselbereiche investiert – etwa Energie, Netzinfrastruktur, digitale Plattformen –, schafft sich kontinuierliche Einnahmeströme. Er wird zum Mitproduzenten der wirtschaftlichen Basis, aus der er bislang nur schöpft. Dabei geht es nicht um Verdrängung privater Akteure, sondern um Ergänzung: dort aktiv zu werden, wo langfristige Investitionen erforderlich sind, deren Renditehorizont über das hinausgeht, was private Märkte üblicherweise tragen.

Parallel dazu liegt ein zweiter, oft unterschätzter Hebel im Inneren des Staates selbst: seine Produktivität. Die Verwaltung ist in vielen Bereichen noch immer ein System aus Parallelstrukturen, Medienbrüchen und historisch gewachsenen Zuständigkeiten. Jeder ineffiziente Prozess bindet Ressourcen, verzögert Entscheidungen und erhöht implizit die Kosten staatlichen Handelns. Eine radikale Steigerung der Effizienz – durch Digitalisierung, Automatisierung und strukturelle Vereinfachung – wirkt ökonomisch wie eine verdeckte Einnahmeerhöhung. Sie schafft Spielräume, ohne die Gesellschaft zusätzlich zu belasten.

Hinzu kommt ein dritter Aspekt, der in der Debatte häufig unterschätzt wird: Infrastruktur ist nicht nur Kostenfaktor, sondern Produktivitätsmaschine. Straßen, Energieversorgung, Datennetze, Bildungssysteme – sie alle bestimmen, wie effizient eine Volkswirtschaft arbeitet. Ein Staat, der diese Bereiche nicht nur verwaltet, sondern aktiv als Investitionsfelder mit Rückflusslogik begreift, erhöht mittelbar seine eigene Einnahmebasis. Jede beschleunigte Genehmigung, jedes funktionierende Netz, jede verbesserte Ausbildung wirkt wie ein Multiplikator auf die gesamtwirtschaftliche Leistung – und damit auf zukünftige Staatseinnahmen.

Entscheidend ist dabei die Dimension der Zeit. Wenn Geld schneller benötigt wird, muss nicht nur mehr erwirtschaftet werden, sondern vor allem schneller. Beschleunigung wird damit selbst zu einer wirtschaftspolitischen Kategorie. Ein Staat, der Planungs- und Umsetzungszeiten halbiert, verändert nicht nur seine Effizienz, sondern seine gesamte fiskalische Dynamik. Projekte beginnen früher, Erträge fließen schneller, Investitionen amortisieren sich rascher. Zeit wird zur versteckten Währung staatlicher Handlungsfähigkeit.

Aus all dem ergibt sich kein Ersatz des bestehenden Systems, sondern eine notwendige Ergänzung. Der Steuerstaat bleibt die stabile Basis – berechenbar, verlässlich, aber begrenzt. Daneben muss ein zweites Standbein treten: ein Staat, der selbst wirtschaftlich aktiv ist, der investiert, betreibt, verdient. Erst im Zusammenspiel beider Elemente entsteht ein System, das sowohl Stabilität als auch Dynamik vereint.

Die politische Tragweite dieses Gedankens ist erheblich, auch wenn sie sich leise vollzieht. Es geht nicht um einen Bruch mit der sozialen Marktwirtschaft, sondern um ihre Weiterentwicklung unter veränderten Bedingungen. Der Staat der Zukunft wird nicht weniger, sondern anders handeln müssen: weniger reaktiv, weniger ausschließlich regulierend – dafür stärker gestaltend, schneller entscheidend und punktuell selbst produktiv.

Am Ende steht eine Verschiebung der zentralen Fragestellung. Nicht mehr: Wie lässt sich das Steueraufkommen erhöhen? Sondern: Wie lässt sich die ökonomische Leistungsfähigkeit des Staates selbst steigern?

Denn nur ein Staat, der nicht ausschließlich verteilt, sondern auch erzeugt, wird in der Lage sein, die wachsenden Anforderungen der Gegenwart zu bewältigen – ohne sich dabei in einem immer enger werdenden fiskalischen Korridor selbst zu blockieren.

Montag, 23. März 2026

Machtwechsel nach 35 Jahren in Rheinland-Pfalz: Die CDU übernimmt das Ruder. Die AfD in einigen Bezirken sehr stark

Was zeigen uns die AfD-Ergebnisse in Rheinland-Pfalz?
KI-Drohnenaufnahme, Nordpfälzer Bergland



In 10 Wahlkreisen erreicht die AfD den höchsten Landesstimmenanteil (Statistisches Landesamt RLP, Statistische Analysen Nr. 70, 2026).
■ Germersheim, Vfr. Gemeinde (35,2 Prozent; +17,5 Prozentpunkte)
■ Pirmasens, Kfr. Stadt (32,1 Prozent; +17,1 Prozentpunkte)
■ Otterbach-Otterberg, VG (28,8 Prozent; +17,3 Prozentpunkte)
■ Kirner-Land, VG (28,5 Prozent; +17,4 Prozentpunkte)
■ Idar-Oberstein, Vfr. Gemeinde (28,3 Prozent; +17,1 Prozentpunkte)
■ Eich, VG (28 Prozent; +14,7 Prozentpunkte)
■ Hamm (Sieg), VG (27,3 Prozent; +16,5 Prozentpunkte)
■ Kirchberg (Hunsrück), VG (27,2 Prozent; +17,9 Prozentpunkte)
■ Baumholder, VG (27,2 Prozent; +17,4 Prozentpunkte)
■ Oberes Glantal, VG (27,1 Prozent; +15,9 Prozentpunkte)

Die Beobachtung, dass hohe AfD-Ergebnisse gehäuft in Regionen mit (auch ehemaligen) Militärstandorten auftreten, ist nicht neu – und sie ist auch nicht falsch. Aber sie führt leicht in die Irre, wenn man sie vorschnell kausal deutet. Denn der Militärstandort selbst ist in den seltensten Fällen die Ursache politischer Verschiebungen. Es ist auch unwahrscheinlich, dass die AfD-Wähler einen direkten Draht zum Militär suchen, um eine Machtergreifung am Tag X zu verwirklichen. Sie werden die Anlagen auch nicht stürmen wollen, um ihre eigenen Kämpfer unterzubringen. Der Standort ist vielmehr ein Marker, ein Hinweis auf tiefere strukturelle Bedingungen, die diese Räume prägen.

Viele dieser Standorte liegen nicht zufällig in dünn besiedelten Gegenden, in ehemaligen Grenzlagen oder in wirtschaftlich schwächeren Regionen. Sie waren Teil einer strategischen Geografie, die Sicherheit organisieren sollte – und zugleich über Jahrzehnte hinweg Stabilität erzeugte: Arbeitsplätze, Kaufkraft, eine klare Funktion im staatlichen Gefüge. Mit dem Abzug oder der Reduktion von Bundeswehr- und NATO-Präsenz ist diese Stabilität vielerorts erodiert. Was bleibt ist nicht nur ein ökonomisches Defizit, sondern ein mentaler Bruch: das Gefühl, von einer ehemals bedeutsamen Rolle in eine Randexistenz gefallen zu sein. „Wir wurden gebraucht“ weicht einem „Wir kommen nicht mehr vor“. In dieser Verschiebung entstehen jene Abstiegserzählungen, die politisch anschlussfähig sind – weil sie Erfahrung bündeln und Deutung anbieten.

Hinzu kommt eine zweite Ebene: Regionen mit militärischer Prägung tragen oft ein gewachsenes Verständnis von Staatlichkeit in sich, das stärker auf Ordnung, Sicherheit und Verlässlichkeit ausgerichtet ist. Fragen von Migration, geopolitischer Bedrohung oder staatlicher Autorität werden hier nicht abstrakt diskutiert, sondern als konkrete Risiken wahrgenommen. Politische Angebote, die genau diese Themen betonen – Grenzen, Souveränität, Stärke – treffen deshalb auf einen Resonanzraum, der bereits vorhanden ist. Es ist weniger eine ideologische Verschiebung als eine Angleichung von Wahrnehmung und politischer Ansprache.

Drittens spielt die demografische Struktur eine entscheidende Rolle. Viele dieser Regionen altern, sie verzeichnen geringeren Zuzug und besitzen einen schwächeren Anteil urban geprägter Milieus. Damit fehlen oft genau jene Dynamiken, die gesellschaftliche Offenheit, wirtschaftliche Innovation und politische Vielfalt fördern. Die Folge ist eine stärkere Homogenität – sozial wie politisch –, in der sich bestimmte Einstellungen stabilisieren und verstärken können.

Doch all das erklärt noch nicht alles – und darf auch nicht zu falschen Schlüssen führen. Es gibt zahlreiche Militärstandorte, in denen die AfD keine herausragenden Ergebnisse erzielt, ebenso wie viele Hochburgen der Partei ohne jeden militärischen Bezug. Die entscheidenderen Faktoren liegen tiefer: wirtschaftliche Unsicherheit, das Gefühl politischer Vernachlässigung, eine schwache Infrastruktur und eine wachsende Distanz zum politischen System insgesamt. Der Militärstandort ist in diesem Sinne kein Treiber, sondern ein Begleitmerkmal bestimmter Raumtypen – ein sichtbares Relikt vergangener staatlicher Präsenz, das den Kontrast zur Gegenwart umso schärfer hervortreten lässt.

In der Zuspitzung zeigt sich daher ein anderer Zusammenhang: Nicht der Standort erzeugt die Wahlentscheidung, sondern der Verlust von Bedeutung, der sich um ihn herum vollzogen hat. Die frühere Garnisonsstadt war eingebunden, funktional, präsent im Gefüge des Staates. Die heutige Realität ist vielerorts von Schrumpfung, Funktionsverlust und einer offenen Identitätsfrage geprägt. In diese Lücke stößt das politische Angebot der AfD, das einfache Erklärungen liefert, klare Gegensätze formuliert und symbolische Aufwertung verspricht. Es sagt: Ihr seid nicht am Rand – ihr seid der Kern, der übersehen wird.

Das Fazit liegt deshalb jenseits einzelner Standorte oder statistischer Korrelationen. Was sich hier zeigt, ist ein strukturelles Problem politischer Bindung. Wo Räume an Bedeutung verlieren, verliert auch der Staat an Vertrauen. Und wo Vertrauen schwindet, gewinnen jene Kräfte an Gewicht, die diesen Verlust benennen, zuspitzen und politisch nutzbar machen.


Was kann die neue Regierung tun, um diese Missstände zu beseitigen?

Die Aufgabe der regierenden CDU lässt sich auf einen klaren Kern verdichten: Sie muss verlorenes Vertrauen durch sichtbares, schnelles und verlässliches Handeln zurückgewinnen. Das bedeutet erstens, den Staat in der Fläche wieder erfahrbar zu machen – mit besser funktionierenden Behörden, mehr präsenter Polizei und klaren Ansprechpartnern vor Ort. Zweitens muss sie Infrastruktur nicht länger nur ankündigen, sondern konsequent umsetzen: Kreisstraßen, Glasfasernetze, Versorgung mit Ärzten, Läden – fertiggestellt, nicht nur versprochen. Drittens braucht es eine gezielte wirtschaftliche Belebung strukturschwacher Regionen, vor allem durch Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Viertens ist Recht und Ordnung nicht rhetorisch, sondern praktisch durchzusetzen, um staatliche Autorität glaubwürdig zu machen. Und schließlich muss die CDU politisch anders auftreten: zuhören statt belehren, Präsenz zeigen statt Distanz verwalten und regionale Identität anerkennen statt übergehen. Aber es wird nicht leicht sein ... die Kosten laufen davon. Daran sind die Kommunen bislang sehr oft gescheitert.

Neue Devise: Nicht Programme entscheiden – sondern Taten, die zeigen, dass der Staat funktioniert und als verlässlich erlebt wird.



Sonntag, 22. März 2026

Landtagswahlen 2026 in Rheinland-Pfalz




Schaut man sich die Beobachtermeinungen zu Rheinland-Pfalz an, schälen sich einige Punkte heraus, die klar erkannt werden:

Die Wähler in Rheinland-Pfalz stehen heute wieder einmal vor den Fragen: Was wurde erledigt? Was wurde nicht erledigt?

  • Erledigt wurde:
    • Stabilität
    • funktionierende Regierungsstrukturen
    • sozialer Grundausgleich
  • Nicht erledigt wurde:
    • strukturelle Modernisierung (Vollständige Digitalisierung der Verwaltung, vollständige Nutzbarkeit steht bei 1 Prozent, trotz sehr vieler Angebote)
    • kommunale Finanzprobleme (Handlungsunfähigkeit aufgrund teilweise verheerender Verschuldungen) 
    • langfristige Zukunftsfragen (Bildung, Raum, Integration)

Warum Pläne in Rheinland-Pfalz immer wieder auf der Strecke bleiben

Rheinland-Pfalz ist kein Land der großen Brüche, sondern der kleinen Schritte. Genau darin liegt seine Stärke – und zugleich sein strukturelles Problem. Denn viele politische Vorhaben beginnen solide, werden angekündigt, angeschoben, finanziert – und verlieren dann an Durchschlagskraft, bevor sie ihre eigentliche Wirkung entfalten. Es ist kein Scheitern im dramatischen Sinn, sondern ein Verlaufen im System.

Ein erster Grund liegt in der kommunalen Struktur des Landes. Rheinland-Pfalz ist kleinteilig organisiert, mit vielen finanzschwachen Kommunen, die zentrale Aufgaben tragen – vom Schulbau bis zur Infrastruktur. Selbst wenn das Land Programme auflegt, bleibt die Umsetzung oft an der lokalen Ebene hängen. Dort fehlen nicht selten Personal, Planungskapazität oder Eigenmittel. So entsteht ein Bruch zwischen politischem Anspruch und praktischer Realisierung: Die Reform ist beschlossen, aber nicht vollständig ausführbar.

Hinzu kommt ein zweiter Faktor: die Politik der Stabilität. Über Jahrzehnte hinweg hat sich eine Regierungsweise etabliert, die auf Ausgleich, Moderation und Vermeidung von Konflikten setzt. Das schafft Verlässlichkeit, verhindert aber oft die notwendige Härte, um tiefgreifende Veränderungen durchzusetzen. Große Reformen brauchen Priorisierung, manchmal auch Zumutung – doch genau diese Zuspitzung wird häufig vermieden. Das Ergebnis sind Kompromisse, die politisch tragfähig, aber operativ abgeschwächt sind.

Ein dritter Punkt ist die Fragmentierung von Verantwortung. Bildungs-, Infrastruktur- und Digitalpolitik verteilen sich auf unterschiedliche Ebenen und Ressorts. Zuständigkeiten sind formal geklärt, aber praktisch zersplittert. Wenn etwas nicht funktioniert, ist selten klar, wo genau der Engpass liegt: beim Land, bei den Kommunen, bei der Finanzierung oder bei der Umsetzung. Diese Unschärfe führt dazu, dass Probleme erkannt, aber nicht konsequent gelöst werden.

Eng damit verbunden ist ein vierter Aspekt: die Tendenz zur projektförmigen Politik. Viele Maßnahmen werden als Programme gestartet – Digitalinitiativen, Förderlinien, Modellprojekte. Sie erzeugen sichtbare Fortschritte, oft auch kurzfristige Erfolge. Doch nach der Startphase fehlt häufig die langfristige Verstetigung: Wartung, Weiterentwicklung, institutionelle Einbindung. So bleibt vieles Stückwerk – begonnen, aber nicht systemisch verankert.

Schließlich spielt auch die politische Kommunikation eine Rolle. Erfolge werden früh sichtbar gemacht, Fortschritte betont, Probleme relativiert. Das ist kein spezifisches Phänomen eines Bundeslandes, aber in Rheinland-Pfalz zeigt sich eine gewisse Diskrepanz zwischen Darstellung und Wirkung. Projekte gelten als umgesetzt, sobald sie gestartet sind – nicht erst, wenn sie flächendeckend funktionieren. So entsteht ein Gefühl von Bewegung, ohne dass sich die Lage grundlegend verändert.

All diese Faktoren greifen ineinander. Sie erklären, warum Rheinland-Pfalz oft nicht an fehlenden Ideen scheitert, sondern an der letzten Strecke der Umsetzung. Es ist das Land der begonnenen Reformen, der stabilisierten Systeme, aber auch der unvollendeten Transformationen.

Der eigentliche Widerspruch lautet daher:
Rheinland-Pfalz funktioniert – aber es verändert sich langsamer, als es müsste.



Vier übliche Narrative
(unabhängig von ihrem Wirklichkeitsgehalt)

Rechtsextrem:
  • „Das Volk wird fremdgesteuert“
  • „Migration bedroht unsere Kultur“
  • „Demokratie ist nur Fassade“
  • „Wir sind die letzten Verteidiger“
  • „Eliten planen den Untergang“
Linksextrem:
  • „Der Staat unterdrückt alle außer der Elite“
  • „Kapitalismus ist unrettbar“
  • „Polizei und Justiz dienen nur der Herrschaft“
  • „Nur Revolution bringt Gerechtigkeit“
  • „Fremdbestimmung ist überall“
Sozialdemokratisch:
  • „Wir stehen für Gerechtigkeit“
  • „Wir sorgen für soziale Sicherheit“
  • „Wir vertreten alle Interessen“
  • „Reformen kommen im richtigen Tempo“
  • „Wir verhindern extreme Risiken“
Christdemokratisch:
  • „Wir garantieren Sicherheit und Ordnung“
  • „Wir vertreten die Mitte“
  • „Unsere Politik ist verlässlich“
  • „Wir sichern Arbeitsplätze und Wohlstand“
  • „Tradition schützt Gesellschaft“



Montag, 16. März 2026

Deutschlands Energiegewinnung muss besser geschützt werden!

Eine kriegsfeste Energiearchitektur für Deutschland

Effizienter Energiepark als
kompaktes Angriffsziel

Der Krieg in der Ukraine hat eine unbequeme Wahrheit sichtbar gemacht: Energieinfrastruktur ist längst Teil moderner Kriegsführung. Raketen und Drohnen treffen nicht nur Militärbasen, sondern Kraftwerke, Umspannwerke, Leitstellen. Ein Energiesystem, das allein auf Effizienz und Marktlogik ausgelegt ist, erweist sich unter solchen Bedingungen als verwundbar. Für ein Industrieland wie Deutschland stellt sich daher eine grundlegende Frage: Wie muss eine Energiearchitektur aussehen, die auch unter Angriffen funktioniert? In der Ukraine herrscht tage-, manchmal wochenlang Stromausfall, dabei arbeiten alle verfügbaren Kräfte an einer Behebung.

Die wichtigsten Aussagen aus staatlichen Berichten, Forschung und Medien lassen sich so bündeln:

  • Das Stromsystem Deutschlands gilt als technisch stabil.
  • Energieversorgung gehört zu den kritischen Infrastrukturen.
  • Cyberangriffe auf Energieunternehmen nehmen zu.
  • Sabotage einzelner Anlagen kann regionale Ausfälle verursachen.
  • Die Forschung empfiehlt dezentrale Systeme und Microgrids* zur Resilienz.
Microgrids sind kleine, lokale Stromnetze, die Strom selbst erzeugen, speichern und verteilen können – und zwar unabhängig vom großen nationalen Stromnetz. Sie können entweder mit dem übergeordneten Netz verbunden sein oder sich im Krisenfall davon abkoppeln. Im Wesentlichen ein wichtiger Bestandteil der grünen Energiepolitik, die Zentralismus nicht mehr verfolgt.
 
Die Wissenslage zeigt damit ein klares Bild:
Die Energieversorgung Deutschlands ist im Normalbetrieb sehr zuverlässig, aber ihre Widerstandsfähigkeit gegen koordinierte militärische Angriffe wird weiterhin als sicherheitspolitische Herausforderung betrachtet.

Die Antwort beginnt mit einer strukturellen Änderung des Systems. Deutschland braucht nicht mehr nur ein großes Stromnetz, sondern eine gestufte Architektur. Im Normalbetrieb trägt weiterhin das nationale Hochspannungsnetz die Hauptlast. Es verbindet große Kraftwerke, Offshore-Windparks und europäische Stromverbindungen. Doch dieses Netz darf im Krisenfall nicht mehr der einzige Pfeiler sein. Darunter müssen regionale Resilienznetze entstehen – Stromsysteme, die Bundesländer oder größere Regionen im Ernstfall eigenständig betreiben können. Noch eine Ebene tiefer liegen lokale Inselnetze, sogenannte Microgrids, in Städten, Industriegebieten oder bei kritischer Infrastruktur. Diese können sich vollständig vom übergeordneten Netz abkoppeln und mehrere Wochen autonom arbeiten.

Der entscheidende Gedanke lautet: Jede Ebene muss notfalls ohne die nächsthöhere überleben können.

Auch die Struktur der Energieerzeugung muss sich ändern. Ein kriegsfestes System setzt auf Vielfalt und räumliche Verteilung. Große, zentralisierte Kraftwerke bleiben wichtig, aber sie dürfen nicht mehr das Rückgrat der Versorgung bilden. Stattdessen entsteht eine Mischung aus vielen dezentralen Quellen. Dazu gehören vor allem Dachsolaranlagen – in der Größenordnung von rund 120 Gigawatt installierter Leistung –, verteilt auf Wohnhäuser, Fabrikhallen, Parkhäuser und öffentliche Gebäude. Jede dieser Anlagen sollte mit einem lokalen Batteriespeicher gekoppelt sein, sodass Strom auch bei Netzausfall verfügbar bleibt.

Ergänzt wird diese Struktur durch Windenergie an Land, etwa 90 bis 100 Gigawatt, möglichst breit über das Land verteilt und nicht ausschließlich in wenigen großen Parks konzentriert. Offshore-Windanlagen in Nord- und Ostsee – etwa 40 bis 50 Gigawatt – bleiben ein wichtiger Pfeiler, allerdings nur mit mehrfach redundanten Seekabeln und besonders geschützten Umspannplattformen.

Neben den erneuerbaren Quellen braucht das System eine flexible Reserve. Dazu gehören wasserstofffähige Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von etwa 30 bis 40 Gigawatt. Sie müssen über das gesamte Bundesgebiet verteilt sein und innerhalb weniger Minuten starten können. Ihre Aufgabe ist nicht der Dauerbetrieb, sondern die Stabilisierung des Netzes in Extremsituationen – etwa bei längeren Dunkelflauten oder nach Angriffen auf andere Anlagen.

Parallel dazu bleibt eine klassische Notfallreserve unverzichtbar. Deutschland müsste eine Flotte mobiler Generatoren vorhalten, ergänzt durch Treibstofflager, die mindestens 30 Tage Betrieb ermöglichen. Diese Reserve wäre ausschließlich für kritische Einrichtungen vorgesehen: Krankenhäuser, Wasserwerke, Kommunikationszentren oder militärische Standorte.

Mindestens ebenso wichtig wie die Erzeugung ist die Fähigkeit, Energie zu speichern. Ein kriegsfestes Energiesystem braucht mehrere Speichertechnologien gleichzeitig. Kurzfristig stabilisieren große Batteriespeicher das Netz. Ein realistisches Ziel läge bei 200 bis 250 Gigawattstunden Kapazität. Diese Speicher würden vor allem an Umspannwerken, in Industrieanlagen und in städtischen Quartieren installiert.

Für längere Zeiträume ist Wasserstoff entscheidend. Deutschland verfügt bereits über geologische Kavernen, vor allem in Norddeutschland, die sich für große Energiespeicher eignen. In ihnen könnten mehrere Terawattstunden Energie gelagert werden – genug, um Kraftwerke über Wochen zu betreiben. Pumpspeicherkraftwerke, besonders in Mittelgebirgen und am Alpenrand, bilden eine weitere Säule. Ihre Kapazität könnte von heute rund 40 auf etwa 100 Gigawattstunden ausgebaut werden.

Eine kriegsfeste Energiearchitektur setzt außerdem voraus, dass kritische Einrichtungen unabhängig vom Netz arbeiten können. Krankenhäuser, Wasserwerke, große Telekommunikationsknoten oder Logistikzentren müssten verpflichtend mit eigenen Microgrids ausgestattet werden. Diese bestehen aus einer Kombination aus lokaler Photovoltaik, Batteriespeichern und Notstromaggregaten. Ziel wäre eine Autarkie von mindestens zwei Wochen.

Doch selbst ein stark dezentralisiertes System kommt nicht ohne zentrale Knoten aus. Hochspannungsumspannwerke, Netzleitstellen und große Rechenzentren bleiben unvermeidliche Schaltstellen. Genau deshalb müssen sie besonders geschützt werden. Dazu gehören physische Sicherheitsmaßnahmen ebenso wie digitale Härtung gegen Cyberangriffe. Redundante Leitstellen, getrennte Kommunikationsnetze und im Extremfall unterirdische Notzentralen sorgen dafür, dass der Netzbetrieb auch bei Angriffen weitergeführt werden kann.

Ein weiterer Bestandteil einer kriegsfesten Architektur sind strategische Energiereserven. Neben der bereits bestehenden nationalen Ölreserve müsste Deutschland auch andere Energieträger in staatlicher Verantwortung lagern: Wasserstoff für flexible Kraftwerke, Diesel für kritische Infrastrukturen und modulare Batteriesysteme für Notfallinstallationen. Ziel wäre eine garantierte Versorgung zentraler Einrichtungen – Militär, Polizei, Gesundheitswesen und Wasserwirtschaft – für mindestens 30 Tage.

Im Ernstfall würde der Strommarkt ohnehin außer Kraft gesetzt. Die Energieverteilung folgt dann nicht mehr wirtschaftlichen Signalen, sondern staatlichen Prioritäten. Eine klare Reihenfolge wäre unvermeidlich: zunächst militärische und sicherheitsrelevante Infrastruktur, danach Krankenhäuser und medizinische Versorgung, anschließend Wasser- und Abwassersysteme, Lebensmittelversorgung und Telekommunikation. Erst danach käme die übrige Wirtschaft.

Urbane Versorgung dezentral
mit Microgrids
 

Der Umbau zu einem solchen System wäre teuer, aber nicht untragbar. Speicher, Netze, flexible Kraftwerke und der Schutz kritischer Infrastruktur würden über zwei Jahrzehnte hinweg Investitionen von grob 450 Milliarden Euro erfordern. Auf die Jahre verteilt entspricht das etwa einem Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung – eine Größenordnung, die im Vergleich zu anderen sicherheitspolitischen Ausgaben überschaubar erscheint.

Der entscheidende Punkt ist jedoch nicht die Summe. Entscheidend ist die Logik. Eine kriegsfeste Energiearchitektur folgt vier einfachen Prinzipien: Dezentralität, damit kein einzelner Angriff das System lahmlegt; Speicherfähigkeit, damit Energie auch ohne laufende Produktion verfügbar bleibt; Inselbetrieb, damit Regionen und Einrichtungen autonom weiterarbeiten können; und schließlich der konsequente Schutz der wenigen unvermeidlichen zentralen Knoten.

Ein Energiesystem, das nach diesen Prinzipien aufgebaut ist, wäre nicht nur im Krieg robuster. Es wäre auch widerstandsfähiger gegen Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder geopolitische Krisen. Die eigentliche Herausforderung besteht daher weniger in der Technik als in der politischen Entscheidung, Energieversorgung künftig nicht nur als Wirtschaftssektor, sondern auch als Teil der nationalen Sicherheitsarchitektur zu begreifen.

Freitag, 6. März 2026

Der Kuseler Streit um Demokratie und Rechtsextremismus

Derzeit wird über einen öffentlichen und juristischen Streit zwischen einem pfälzischen Schulleiter und dem rechtsextremen Magazin "Compact" in den Medien berichtet.
Demo gegen Extremismus
(AI, gemeinfrei)


Der Konflikt betrifft Marco Schneider, den Leiter des Siebenpfeiffer-Gymnasiums Kusel in Rheinland-Pfalz. 2025 beteiligte sich die Schulgemeinschaft an einer Demonstration für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, im Umfeld einer AfD-Veranstaltung mit Alice Weidel in Kusel. Das Magazin "Compact“ veröffentlichte daraufhin ein Video und Beiträge, in denen dem Schulleiter politische Indoktrination und Nähe zur "Antifa“ vorgeworfen wurden.

Schneider stellte Strafanzeigen wegen übler Nachrede und wegen der Verwendung von Fotos. Ein Gericht erließ gegen den Geschäftsführer des Magazins zunächst einen Strafbefehl über 20.700 € (90 Tagessätze).  Das Magazin legte Einspruch ein, deshalb wird der Fall voraussichtlich vor Gericht verhandelt.

Hintergrund des Konflikts

Der Schulleiter argumentiert, Schulen müssten Demokratie und die freiheitliche Grundordnung verteidigen und dürften sich deshalb gegen Extremismus positionieren. Die rheinland-pfälzische Schulaufsicht stellte sich hinter ihn und erklärte, solches Engagement sei Teil demokratischer Bildung und kein Verstoß gegen die Neutralitätspflicht. 
Das Magazin "Compact“  warf dem Schulleiter politische Indoktrination und Nähe zur „Antifa“ vor. Der Streit berührt ein klassisches Spannungsfeld im deutschen Verfassungsrecht: das Neutralitätsgebot staatlicher Amtsträger auf der einen Seite und den Bildungs- und Demokratieauftrag der Schule auf der anderen. 



1. Das Neutralitätsgebot

Lehrer und Schulleiter sind Beamte bzw. staatliche Amtsträger. Deshalb dürfen sie ihre Position nicht zur parteipolitischen Werbung oder Agitation nutzen. Das ergibt sich aus

  • dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

  • dem Schulrecht der Bundesländer

  • und aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht.

Kernidee:
Der Staat darf keine Partei bevorzugen oder bekämpfen, weil er allen Bürgern gehört.

Beispiele für problematische Fälle wären etwa

  • Wahlaufrufe für eine Partei im Unterricht

  • Wahlkampfveranstaltungen in der Schule

  • Benotung nach politischer Haltung.


2. Der Demokratieauftrag der Schule

Gleichzeitig hat Schule einen klaren Auftrag: Sie soll Schüler zu demokratischen Bürgern erziehen. Dieser Auftrag steht ebenfalls im Grundgesetz (Art. 7) und in den Schulgesetzen der Länder.

Das bedeutet Schulen müssen Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit vermitteln. Sie dürfen sich gegen Extremismus positionieren.

Gerade nach den Erfahrungen der Nationalsozialistische Machtergreifung wurde bewusst festgelegt, dass der Staat keine "wertneutrale“ Haltung gegenüber Demokratiefeinden einnehmen muss.


3. Der sogenannte Beutelsbacher Konsens

In der politischen Bildung gilt seit 1976 der Beutelsbacher Konsens. Er enthält drei zentrale Regeln:

  1. Überwältigungsverbot
    Schüler dürfen nicht indoktriniert werden.

  2. Kontroversitätsgebot
    Was politisch kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden.

  3. Schülerorientierung
    Schüler sollen selbst zu politischen Urteilen befähigt werden.


4. Warum der Fall juristisch heikel ist

Der Streit um den Schulleiter dreht sich um die Frage:

Ist eine Teilnahme an einer Demonstration gegen Rechtsextremismus parteipolitisch – oder Teil des demokratischen Bildungsauftrags?

Viele Juristen argumentieren: Gegen Extremismus aufzutreten ist keine Parteipolitik, sondern Verteidigung der Verfassung. Problematisch wäre es erst, wenn konkret gegen eine einzelne Partei Wahlkampf gemacht würde. Deshalb haben Schulbehörden in ähnlichen Fällen oft entschieden, dass solche Aktionen zulässig sein können, wenn sie als Demokratiebildung begründet sind.


5. Historische Parallelen

Konflikte dieser Art gab es immer wieder, z. B. Debatten über Lehrerproteste gegen die Alternative für Deutschland und politische Aktivitäten von Lehrern während der Studentenbewegung von 1968.

Sie zeigen die Grenze zwischen politischer Bildung und politischer Parteinahme bleibt in einer Demokratie immer umstritten.

Das deutsche Recht verlangt von Schulen keine Neutralität gegenüber Extremismus, wohl aber Neutralität gegenüber Parteien. Der aktuelle Streit dreht sich genau um diese Grenze. 

Donnerstag, 5. März 2026

Die allseits bekannte 250-Euro-Anlage als Empfehlung von Politikern?

AI, gemeinfrei
Sie alle kennen die Werbung für Geldanlagen in Höhe von 250 EUR und einem Superausgang (theoretisch). Nun werden ja bekannte Politiker von Weidel bis Merz und TV-Sendungen, Tagesschau, Maischberger  etc.  eingespannt, um den Eindruck einer staatlichen Aktion zu erwecken. Eine echte Parteiaktion nach dem Motto „Zahle 250 € ein und verdiene ein Vielfaches“ (Bitcoin-Versprechen) ist in Deutschland illegal. Allerdings spricht vieles dafür, dass die Fälle mit Alice Weidel oder Friedrich Merz keine offiziellen Wahlkampfaktionen der Parteien waren, sondern typische Anlage-Betrugsanzeigen, die Namen missbrauchen.


1. Was hinter den „Weidel-Bitcoin“-Anzeigen steckt

Mehrere Faktenchecks zeigen:
Die kursierenden Anzeigen sind typische Cyber-Trading-Betrugsmaschen, die bekannte Politiker oder Prominente als Lockmittel benutzen.

  • Nutzer werden mit einem angeblichen Interview oder Skandalartikel auf eine gefälschte Nachrichten-Website gelockt.

  • Dort wird behauptet, eine bekannte Person habe eine geheime Investmentplattform enthüllt.

  • Danach soll man meist ca. 250 € Startkapital einzahlen. (correctiv.org)

Diese Art von Werbung nutzt regelmäßig Fake-Artikel mit Logos von Medien wie Tagesschau oder Talkshows. (Stiftung Warentest)

Verbraucherschützer warnen ausdrücklich davor:
Solche Anzeigen sind klassischer Anlagebetrug („Cybertrading Fraud“) mit Prominenten-Missbrauch. (Evz Deutschland)

Wichtig: In vielen Fällen wissen die betroffenen Politiker gar nichts davon – ihre Namen werden einfach verwendet. Aktuell Sahra Wagenknecht.


2. Wäre so etwas als Wahlkampfaktion überhaupt legal?

Wenn eine Partei tatsächlich sagen würde:

„Zahle 250 € ein und du bekommst garantiert ein Vielfaches zurück“

wäre das mehrfach rechtswidrig.

a) Betrug (§263 StGB)

Ein Gewinnversprechen ohne reale Grundlage wäre strafbarer Betrug.

b) Kapitalmarktrecht

Investmentangebote brauchen Zulassungen (BaFin, Prospektpflicht etc.).
Eine Partei darf keine ungeprüften Finanzprodukte bewerben.

c) Parteiengesetz

Nach dem Parteiengesetz (Deutschland) dürfen Parteien

  • Spenden sammeln
  • Mitgliedsbeiträge erheben
  • Crowdfunding betreiben

Aber keine Rendite versprechen.
Parteienfinanzierung muss transparent und ohne Gegenleistung erfolgen.

d) Wettbewerbs- und Verbraucherschutzrecht

Irreführende Werbung wäre ebenfalls verboten.

Eine solche „Bitcoin-Renditeaktion“ einer Partei wäre sofort juristisch angreifbar.


3. Gab es ähnliche Aktionen in der deutschen Parteiengeschichte?

Eine direkte Parallele (Investment-Gewinnversprechen) gibt es nicht.

Es gab aber Grenzfälle kreativer Finanzierung:

Goldhandel der AfD (2014)

Die Partei kaufte und verkaufte Gold, um Einnahmen für die staatliche Parteienfinanzierung zu erhöhen.
Der Vorgang war legal, führte aber später zu einer Gesetzesänderung. (Wikipedia)

Spendenaffären

Ein bekanntes Beispiel ist die Spendenaffäre um Alice Weidel im Bundestagswahlkampf 2017.
Die Bundestagsverwaltung verhängte hohe Strafzahlungen wegen unzulässiger Spenden. (WirtschaftsWoche)

„Merchandising“ oder symbolische Produkte

Parteien verkaufen manchmal:

  • Parteianleihen (sehr selten)
  • Bücher oder Goldmünzen
  • Fanartikel

Aber ohne Renditeversprechen.


4. Politisch bemerkenswert

Neu ist vor allem ein anderes Phänomen:

Desinformationskampagnen im Wahlkampf, bei denen
Politikerbilder für Finanzbetrug genutzt werden.

Das ist ein wachsendes Problem bei Wahlen und Social-Media-Werbung. (BMI Rechner)


Fazit

  • Die „250-€-Bitcoin“-Anzeigen mit Weidel sind höchstwahrscheinlich Betrugswerbung Dritter.
  • Eine Partei dürfte so etwas rechtlich gar nicht anbieten. Sollte dies den Wählern vermitteln wollen, dass man mit der AfD schnell zu Geld kommt liegt Wahlbetrug vor.
  • In der Geschichte der Bundesrepublik gab es keine vergleichbare Wahlkampfmethode mit Renditeversprechen.