1. Gewaltfreie Kommunikation & Klassenklima-Methoden
Diese Methoden zielen darauf ab, Beziehungskultur, Selbstreflexion und respektvollen Umgang zu fördern und sind Teil vieler schulischer Präventionsprogramme:
Gewaltfreie Kommunikation (GfK) – Fokus auf Empathie, Bedürfniswahrnehmung und achtsamer Sprache im Unterricht.
Eine der zentralen Ansichten: Hinter jedem problematischen Verhalten steht ein unerfülltes Bedürfnis (z. B. Anerkennung, Sicherheit, Zugehörigkeit, Autonomie).
Das 4-Schritte-Modell der GfK-
Beobachtung (ohne Bewertung)
→ „Ich sehe, dass du dreimal dazwischengerufen hast.“ -
Gefühl benennen
→ „Das macht mich unruhig und angespannt.“ -
Bedürfnis ausdrücken
→ „Ich brauche Ruhe, damit alle lernen können.“ -
Bitte formulieren
→ „Bitte melde dich, wenn du etwas sagen willst.“
Die GfK-Methode ist eng verzahnt mit den
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- Reckahner Reflexionen – Leitlinien für wertschätzende pädagogische Beziehungen
Die sechs Kernaussagen (vereinfacht)
- Kinder haben ein Recht auf Anerkennung und Schutz ihrer Würde.
- Strafen dürfen nicht beschämend oder demütigend sein.
- Pädagogische Macht muss reflektiert eingesetzt werden.
- Konflikte sind Lerngelegenheiten, keine Machtkämpfe.
- Fehler gehören zum Lernen.
- Professionelle Haltung schützt vor Eskalation.
Praktische Bedeutung in der Schule
In der Praxis heißt das z. B.:
- Keine Bloßstellung vor der Klasse
Kein Sarkasmus, keine ironische Demütigung
Klare Grenzen, aber ohne Machtdemonstration
Kritik am Verhalten, nicht an der Person
Reflexion des eigenen Lehrerhandelns („Was hat mein Verhalten ausgelöst?“)
Wirkung: Reduziert verbale Aggression, gestärktes Klassengefühl, weniger Eskalation.
2. Deeskalationstrainings für Lehrkräfte
Lehrkräfte werden speziell geschult darin, konfliktreiche Situationen früh zu erkennen und zu entschärfen – z. B.:
Stress- und Konfliktbewältigung
Ruhige Kommunikation unter Druck
Techniken zur Reduktion von Eskalation
In NRW gibt es dafür z. B. Trainings im Rahmen des Präventionskonzepts „miteinander.stark.sicher – gemeinsam für eine gewaltfreie Schule“, das als Ministeriumsinitiative in Zusammenarbeit mit Polizei und Schulministerium angeboten wird.
Wirkung: Lehrkräfte fühlen sich sicherer, Konflikte reduzieren sich früher.
3. Schulmediation und Konfliktlotsen
Schulmediation bedeutet, dass ausgebildete Mediator:innen (Lehrkräfte, Schulsozialarbeit oder Schüler:innen als Konfliktlotsen) in Konfliktsituationen vermitteln. Das wird in Berlin und anderen Bundesländern genutzt:
Konfliktlotse – Schüler:innen, die zur Streitschlichtung ausgebildet sind (z. B. Pax An, Anti-Stress-Team).
Schulmediation-Handreichungen – Material und Methoden zur strukturierten Mediation.
Wirkung: Schlichtung durch Peers oder geschulte Dritte kann Konflikte entkernen und Gruppe stärken.
4. Gewaltpräventions-Programme im Unterricht
Strukturierte Programme mit festen Modulen, oft wissenschaftlich begleitet, helfen Schüler:innen dabei, soziale Kompetenzen zu erwerben:
„Eigenständig werden“ – Lebenskompetenz, WHO-orientiert, auch Gewaltthemen.
Fairplayer-Programm – fördert Selbst- und Fremdwahrnehmung, soziale Kompetenz.
„Klasse2000“ – Gesundheit, Gewalt- und Suchtprävention (bundesweit).
Wirkung: Langfristige Förderung sozialer Fähigkeiten, geringer Belohnung für Aggression.
5. Polizeikooperation und Präsenzprogramme (NRW)
In NRW gibt es kombinierte Ansätze, bei denen Polizei aktiv in Gewaltpräventionsarbeit eingebunden wird:
„miteinander.stark.sicher“ – Unterrichtseinheiten zur gewaltfreien Konfliktlösung gemeinsam mit Polizei.
Schulhofgespräche mit Polizei in Pausen, um Vertrauen zu stärken.
Wirkung: Sichtbare Präventionspräsenz, enttabuisierende Gespräche, Klarheit über Grenzen und Hilfe.
6. Strukturierte Reflexions- und Handlungsrahmen
Institutionelle Materialien bieten Lehrkräften Orientierung und systematische Vorgehensweisen, z. B.:
Handlungsrahmen Gewaltprävention (Berlin) – Standards und Kompetenzziele für Schule.
Multiprofessionelle Fortbildungen aus Landesinstituten und Bildungsservern.
Wirkung: Einheitliche Qualitätsstandards und bessere Verbindung von Theorie und Praxis.
7. Klassische pädagogische Modelle in der Praxis
Viele Schulen nutzen darüber hinaus Klassisches Classroom Management und Beziehungsarbeit:
Nach dem Prinzip: Beziehung vor Disziplin – stabile Verbindungen senken Eskalationen (auch als Ansatz wie „Neue Autorität“ im pädagogischen Diskurs).
Konfrontative Pädagogik / Trainingsmodelle – reflektieren konkrete Unterrichtssituationen mit Kolleg:innen.
Wirkung: Mehr Präsenz, mehr Struktur, weniger Chaos.
Zusammenfassung: Was zeichnet diese „Supermethoden“ aus?
Mehrschichtiger Ansatz: Nicht nur Reaktion, sondern Prävention, Beziehung und Konfliktlösung.
Kompetenzorientiert: Soziale, emotionale und kommunikative Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt.
Strukturiert und wiederholbar: Programme sind curriculare Bausteine, keine einmaligen Events.
Multiprofessionell: Lehrkräfte, Polizei, Schulsozialarbeit und Schüler:innen kooperieren.