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| Obdachlose im Winter Ai, gemeinfrei |
- Die Kältewelle zeige „besonders dramatisch, was jeden Tag unerträglich ist: dass Zehntausende Menschen in Deutschland auf der Straße leben müssen“.
- „Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, und das zu ändern, ist Aufgabe der Politik.“
- Er zeigte sich „besorgt über die Lebensverhältnisse von Obdachlosen“ und dankte allen, die in den eisigen Nächten helfen, wie z.B. Notunterkünfte, Suppenküchen und Kältebusse.
Gesamtzahl der Obdachlosen in der EU
- Zahl der Obdachlosen (Menschen, die auf der Straße leben) läge bei etwa 900.000 Menschen in Europa. Diese Zahl stammt aus einem Bericht von FEANTSA und Fondation Abbé Pierre (2023).
- Zahl der Wohnungslosen (inkl. Notunterkünfte, Übergangswohnheime) wäre höher: etwa 1.300.000 Menschen in Europa haben keine eigene Wohnung. Diese Zahl umfasst alle Formen von Wohnungslosigkeit.
Warum gibt es zwei verschiedene Zahlen?
Die EU selbst führt keine einheitliche Statistik – die Daten stammen von Verbänden und internationalen Organisationen. Wir können davon ausgehen, dass rund 900.000 Menschen in Europa tatsächlich auf der Straße schlafen, aber mindestens 1,3 Millionen Menschen keine eigene Wohnung haben.
Beide Zahlen steigen seit Jahren – trotz des EU‑Ziels, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden. Die EU hat das Ziel „Obdachlosigkeit bis 2030 beenden“ politisch ausgerufen – aber es ist nicht rechtsverbindlich, nicht mit Sanktionen hinterlegt und verpflichtet die Mitgliedstaaten zu nichts Konkretem. Deshalb können weiterhin Hunderttausende Menschen obdachlos sein, obwohl das Ziel existiert.
Warum trotz EU‑Ziel noch 456.000 Menschen obdachlos sind
Das EU‑Ziel ist politisch, nicht rechtlich bindend. Die EU hat 2021 die Europäische Plattform zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit gegründet. Dort wurde das Ziel formuliert, Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden.
Aber es gibt keine EU‑Gesetze, die Staaten verpflichten, Obdachlosigkeit abzuschaffen. Es gibt keine Sanktionen, wenn Staaten das Ziel verfehlen. Die EU kann im Wohnungswesen nicht direkt eingreifen, weil Wohnpolitik nationale Kompetenz ist.
Das Ziel ist also ein politisches Versprechen, kein einklagbares Recht.
Die Zahl 456.000 betrifft Wohnungslose in der EU, nicht nur Obdachlose. Die Zahl stammt aus der Wohnungslosenstatistik 2022/23 und umfasst alle Wohnungslosen, nicht nur die, die draußen schlafen.
- Der Aktionsplan ist kein Gesetz.
- Es gibt keine verbindlichen Maßnahmen, nur Empfehlungen.
- Die Umsetzung hängt von Ländern und Kommunen ab.
Das zeigt: Ein Ziel ohne verbindliche Gegenmaßnahmen ändert die Realität nicht automatisch.
Die EU hat ein ambitioniertes Ziel formuliert – aber ohne rechtliche Verbindlichkeit, ohne Sanktionen und ohne direkte Eingriffsmöglichkeiten in die nationale Wohnpolitik. Deshalb können weiterhin Hunderttausende Menschen wohnungslos sein, obwohl das Ziel „keine Obdachlosen bis 2030“ existiert.
Wer verfolgt das EU‑Ziel?
Die EU hat 2021 die „Europäische Plattform zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit“ (EPOCH) gegründet. Beteiligt sind: EU‑Kommission, EU‑Mitgliedstaaten, Städte und Kommunen, NGOs wie FEANTSA, Caritas Europa, Rotes Kreuz, Sozialministerien der Länder.Die Plattform setzt politische Ziele, aber keine verbindlichen Gesetze.
Wer arbeitet in Deutschland daran?
Deutschland hat 2023 den Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit (NAP) beschlossen. Beteiligt sind:- Bundesministerium für Wohnen (BMWSB)
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
- Länder und Kommunen
- Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, AWO, DRK, Paritätischer)
- Straßenhilfen und Kältehilfen
- Wohnungswirtschaft
Der Plan ist aber nicht rechtsverbindlich – er ist ein Koordinationsinstrument.
Was tatsächlich passiert:
- Ausbau von Housing‑First‑Projekten in mehreren EU‑Ländern
- EU‑Fördermittel für sozialen Wohnungsbau
- Nationale Aktionspläne (Deutschland, Spanien, Irland, Portugal)
- Kommunale Programme (z. B. Wien, Helsinki, Kopenhagen)
Was NICHT passiert:
- EU‑weite verbindliche Vorgaben
- Sanktionen, wenn Staaten das Ziel ignorieren
- einheitliche Statistik
- Pflicht, Housing First flächendeckend einzuführen
- Garantie für sozialen Wohnraum
Das Ergebnis: Einige Länder machen viel – andere fast nichts.
Warum ist das Ziel so schwer umzusetzen?
Wohnpolitik ist nationale Kompetenz, die EU darf nicht eingreifen. Viele Länder haben Wohnungsnot, steigende Mieten, zu wenig Sozialwohnungen. Obdachlosigkeit ist kommunal organisiert, nicht zentral. Es gibt keine einheitliche Definition von Obdachlosigkeit. Die EU‑Ziele sind politische Absichtserklärungen, keine Verpflichtungen.Fazit
Ja, es wird daran gearbeitet – aber:
- Die EU setzt Ziele, aber keine Gesetze.
- Die Mitgliedstaaten entscheiden selbst, wie ernst sie es nehmen.
- Deutschland hat einen Aktionsplan, aber keine verbindlichen Maßnahmen.
- Die Umsetzung hängt fast vollständig von Städten und Kommunen ab. Deshalb ist das Ziel „keine Obdachlosen bis 2030“ realistisch kaum erreichbar, obwohl es offiziell verfolgt wird.
| Land | Maßnahmen | Bewertung |
|---|---|---|
| Finnland | Flächendeckendes Housing First, massiver sozialer Wohnungsbau, Obdachlosigkeit seit Jahren rückläufig | Vorbildlich |
| Dänemark | Housing First in vielen Kommunen, gute Datenlage, langfristige Finanzierung | Sehr gut |
| Portugal | Nationale Strategie, Ausbau von Housing First, Nutzung von EU‑Mitteln für sozialen Wohnungsbau | Gut |
| Irland | Ambitionierter Housing‑First‑Plan, staatliche Finanzierung, regelmäßige Berichte | Gut |
| Spanien | Nationale Strategie, EU‑Gelder für Wohnraum, erste Housing‑First‑Programme | Fortschrittlich |
| Land | Maßnahmen | Bewertung |
|---|---|---|
| Deutschland | Nationaler Aktionsplan, aber unverbindlich; Housing First nur punktuell; keine bundesweite Statistik | Mittelmäßig |
| Frankreich | Große Hilfsprogramme, aber wenig Housing First; Obdachlosigkeit steigt weiter | Mittelmäßig |
| Belgien | Housing‑First‑Pilotprojekte, fragmentiert zwischen Regionen | Mittelmäßig |
| Niederlande | Gute kommunale Programme, aber keine umfassende nationale Strategie | Mittelmäßig |
| Österreich | Wien stark, Rest des Landes schwächer; keine einheitliche nationale Strategie | Uneinheitlich |
| Land | Maßnahmen | Bewertung |
|---|---|---|
| Italien | Keine nationale Strategie, begrenzte lokale Hilfen, schwache Datenlage | Schwach |
| Griechenland | Wenig strukturierte Programme, kaum Housing‑First‑Ansätze | Schwach |
| Ungarn | Repressive Politik gegenüber Obdachlosen, keine präventive Gesamtstrategie | Sehr schwach |
| Bulgarien | Keine nationale Strategie, sehr begrenzte Hilfsstrukturen | Sehr schwach |
| Rumänien | Keine systematische Wohnungslosenpolitik, kaum strukturierte Hilfen | Sehr schwach |
Sind Bahnhöfe noch Zufluchtsorte?
Ein Bahnhof zählt hier nur dann als „Ziel bei Kälte“, wenn mindestens zwei dieser Punkte zutreffen:
- nachts teilweise offen oder faktisch geduldet
- keine sofortige Vertreibung durch Security bei ruhigem Verhalten
- Bahnhofsmission / Streetwork direkt vor Ort
- Erfahrungswissen aus Kältehilfe / Sozialarbeit: „Da kommt man durch“
Bahnhöfe, die noch infrage kommen
Berlin
Berlin Zoologischer Garten- kleiner, unübersichtlicher, weniger Event-Charakter
- Bahnhofsmission aktiv
- faktisch einer der letzten halbwegs „atmenden“ Bahnhöfe
Berlin Ostbahnhof
- weniger Kontrolle nachts
- Nähe zu Hilfsangeboten
Berlin Hauptbahnhof
nur eingeschränkt
- extrem überwacht
- Duldung schwankt stark nach Sicherheitslage
Berlin ist Ausnahme, nicht Vorbild.
Hamburg
Hamburg Hauptbahnhof (Randzonen)- Nähe zu Drob Inn, Kältebus, Bahnhofsmission
- innen fast immer Räumung, außen / Übergänge, eher Duldung
- überschaubarer, weniger Hochglanz
- punktuell geduldet
Köln Hbf / Dompassage
- Bahnhofsmission stark
- Security, aber situative Duldung bei Frost
- stark tages- und personalabhängig
Frankfurt (Main)
Frankfurt Hbf – NICHT die Halle, sondern:
- Seitenbereiche
- Übergänge
- Umfeld mit Streetwork
aber bei extremer Kälte manchmal Durchlass.
Bremen
- Bremen Hbf
- vergleichsweise kleine Struktur
- weniger privatisiert
- noch eine der stilleren Ausnahmen im Norden
Oberhausen Hauptbahnhof (NRW) !!
Der Bahnhof wurde von der Deutschen Bahn zuletzt ausdrücklich so betrieben, dass bei extremer Kälte Obdachlose nicht weggeschickt werden sollen.
Die Sicherheitskräfte verzichten darauf, Menschen bei niedrigsten Temperaturen zu vertreiben, in Abstimmung mit sozialen Trägern.(WAZ)
Bahnhöfe, die praktisch nachts keinen stundenlangen Schutz mehr bieten (auch bei Kälte nicht)
🔴 München Hbf
🔴 Stuttgart Hbf
🔴 Düsseldorf Hbf
🔴 Hannover Hbf
🔴 Leipzig Hbf
🔴 Dresden Hbf
🔴 Nürnberg Hbf
🔴 Mannheim Hbf
🔴 Heidelberg Hbf und
🔴 viele weitere Bahnhöfe stehen nicht zur Verfügung.
Gemeinsame Merkmale:
- konsequente Räumung
- privatisierte Sicherheitslogistik
- Null-Toleranz-Strategien
- „Kältehilfe = woanders“ (siehe weiter unten)
Hier ist der Aufenthalt real gefährlich (Platzverweise, Anzeigen, Eskalation)!
Wichtige Verschiebung: Bahnhöfe verlieren ihre Funktion
Ein bitterer Befund:
Bahnhöfe sind nicht mehr der frei zugängliche, primäre Kälteschutz.
Stattdessen:
- Nachtbusse
- Kirchen (inoffiziell)
- Container
- U-Bahn-Zugänge (immer mehr überwacht)
- Tiefgaragen
- Treppenhäuser
- Übergangsräume
Bahnhöfe sind heute Kontrollräume, keine Schutzräume mehr.
Betroffene müssen sich rechtzeitig über die Ersatzangebote / Übernachtungsmöglichkeiten informieren.
Ehrliches Fazit
Wenn man es ganz realistisch betrachtet:
- Berlin (2–3 Bahnhöfe)
- Hamburg (1–2 Bereiche)
- Köln (eingeschränkt)
- Frankfurt (Teilbereiche)
- Bremen (jeweils eingeschränkt)
- Oberhausen Hauptbahnhof (NRW)
- Kaiserslautern (bei Frost Aufenthaltstoleranz für Obdachlose,
sehr begrenzter Platz).
In Kaiserslautern gibt es ein Notprogramm,
das bei Kälte tatsächlich greift – kombiniert aus:
- 24/7 Notfallhotline ( 0631 – 34 31 78 78 / 24 h erreichbar)
mit materieller Hilfe (Schlafsack, Kleidung) und
Kälte-Iglus auf der Pfarrwiese St. Martin für nächtlichen Schutz.
Alles andere ist Risikozone, kein Zufluchtsort oder nachts verschlossen.
Deutsche Städte mit strukturierten Winter-/Kälte-Hilfsangeboten
Großstädte mit umfangreicher Kältehilfe (Notunterkünfte, Kälte-/Wärmebusse etc.)
Berlin
- Winter-Kältehilfe mit über 1150 Notübernachtungsplätzen (Oktober–April). (mein-berlin.net)
- Kälte- und Wärmebusse fahren durch die Stadt und bringen Menschen auf Wunsch zu Unterkünften. (mein-berlin.net)
- Nacht-Cafés und zusätzliche spontane Angebote in Kältephasen. (Berliner Morgenpost)
Köln
Zusätzliche Kältegänge und Notunterkünfte im Winter sowie Informations-Hotlines. (Deutsche Welle)
Düsseldorf, Bielefeld, Dortmund (NRW)
In NRW werden Notunterkünfte in der kalten Jahreszeit rund um die Uhr geöffnet. (The Weather Channel)
Frankfurt am Main (Hessen)
- Notunterkünfte, Kältebus und zahlreiche Tagesaufenthalte (u. a. Wärmestuben) angeboten. (DIE WELT)
- Auch niedrigschwellige Treffpunkte wie der Franziskustreff bieten im Winter Wärme.(franziskustreff.de)
Weitere Städte mit etablierten Programmen und Hilfsstrukturen
München (Bayern)
Winter-Notunterkünfte öffnen je nach Wetterlage (traditionell schon länger Winterhilfe-Programme). (Spiegel)
Leipzig, Dresden, Chemnitz (Sachsen)
Notunterkünfte, Kältebus- bzw. Fahrdienste zu Unterkünften und Nachtcafés im Winter. (Die Sachsen)
Thüringer Städte (z. B. Jena, Erfurt, Weimar, Gera, Suhl, Mühlhausen)
Notübernachtungsstellen füllen sich im Winter, werden seit Jahren bereitgestellt. (Mitteldeutsche Zeitung)
Städte/Regionen mit systematischer Obdachlosen- oder Kältehilfe
Hessen (weitere Städte)
- Wiesbaden: Ganzjährige „Winterregelung“ — Unterkünfte stehen wohnungslosen Menschen dauerhaft und bedingungslos offen. (DIE WELT)
- Kassel, Gießen, Offenbach: erweiterte Notunterkünfte und Winter-Programme. (DIE WELT)
Sachsen-Anhalt (z. B. Magdeburg, Halle, Dessau)
Kältebusse, Bahnhofsmissionen, Gabenzäune (Sachspenden) und Nachtunterkünfte.(Mitteldeutsche Zeitung)
Mecklenburg-Vorpommern (Rostock, Schwerin, Stralsund, Neubrandenburg, Wismar)
Notunterkünfte, Begegnungsstätten, Tagesaufenthalte, Kältebusse und Straßensozialdienste. (DIE WELT)
Potsdam (Brandenburg)
Straßensozialarbeit in Kältezeiten, Decken/Isomatten/heiße Getränke, sowie Informations- und Unterstützungsnetzwerke. (themayor.eu)
