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| US-Schiffe und Gegner in der Straße von Hormus (AI, gemeinfrei) |
Eine Blockade der Straße von Hormus würde eine ganze Reihe von Staaten unmittelbar treffen, denn sie ist eine der zentralen Energiearterien der Welt. Besonders betroffen wären China als größter Importeur von Golf‑Öl sowie Indien, das ebenfalls stark von Lieferungen aus der Region abhängt. Auch Japan und Südkorea, die sicherheitspolitisch eng mit den USA verbunden sind, wären wirtschaftlich extrem verwundbar. In Europa träfe es vor allem Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich, deren Energieversorgung empfindlich gestört würde. Selbst die Golfstaaten – Saudi‑Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar – würden wirtschaftlich massiv geschädigt, da ihre wichtigste Exportroute blockiert wäre. Insgesamt wäre eine solche Maßnahme ein globaler Schock, der nahezu alle großen Volkswirtschaften gleichzeitig trifft.
Trotz dieser Risiken könnte ein US‑Präsident eine Blockade dennoch für „gut“ oder strategisch sinnvoll halten. Ein Grund dafür liegt in der Vorstellung, durch Machtprojektion und Kontrolle globaler Seewege geopolitische Rivalen unter Druck setzen zu können. Da die USA selbst weniger abhängig von Golf‑Öl sind, während Staaten wie China extrem verwundbar wären, erscheint die Straße von Hormus als idealer Hebel, um die eigene maritime Dominanz zu demonstrieren. Eine Blockade wäre zudem ein maximales Druckmittel gegen Iran und gleichzeitig ein Signal an andere Staaten wie China, Russland oder Nordkorea, dass die USA bereit sind, wirtschaftliche Lebensadern zu kappen.
Innenpolitisch wird Härte gegenüber Iran in den USA häufig als Stärke wahrgenommen, sodass ein Präsident glauben könnte, Entschlossenheit werde belohnt, internationale Kritik sei zweitrangig und wirtschaftliche Schäden für andere Länder könnten den USA geopolitisch sogar nutzen. Hinzu kommt eine verbreitete Selbstüberschätzung: Manche politische Akteure unterschätzen die globalen Rückkopplungen einer solchen Aktion – explodierende Ölpreise, eine einbrechende Weltwirtschaft, wütende Verbündete und mögliche Gegenmaßnahmen Chinas, etwa im Südchinesischen Meer. Dennoch kann die kurzfristige Demonstration von Macht attraktiv wirken.
Realpolitisch wäre eine Blockade jedoch extrem riskant. China würde sie als Angriff auf seine wirtschaftliche Sicherheit interpretieren, was militärische Eskalation, Gegenblockaden, massive Aufrüstung oder eine engere Kooperation mit Russland und Iran nach sich ziehen könnte. Verbündete wie Japan, Südkorea und die EU wären wirtschaftlich schwer getroffen und politisch gedemütigt, was das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner erschüttern würde. Iran wiederum könnte asymmetrisch reagieren – durch Angriffe auf Tanker, Cyberattacken oder Raketenangriffe auf US‑Stützpunkte. Gleichzeitig würde die globale Energieversorgung destabilisiert, was eine weltweite Rezession auslösen könnte.
Im Ergebnis wäre eine Blockade der Straße von Hormus einer der gefährlichsten Schritte, die eine Großmacht im 21. Jahrhundert setzen könnte. Dass ein Präsident sie dennoch als „gut“ darstellen könnte, liegt weniger an realistischen Erfolgsaussichten als an innenpolitischer Symbolik, geopolitischer Machtdemonstration, der Vorstellung, Rivalen wie China wirtschaftlich schwächen zu können, und der Fehleinschätzung, die USA seien selbst weitgehend unverwundbar. In der internationalen Realität wäre eine solche Blockade jedoch ein globaler Brandbeschleuniger, der Konflikte mit China, Indien, Japan, der EU und fast allen Golfstaaten provozieren würde.
